Blog der Woche: Plötzblog

Der Bäckerlehrling Plötz (Strichmännchen rechts oben) ist Namensgeber des Brotblogs "Plötzblog".

Bäcker­lehr­ling Plötz (oben rechts) ist Namens­ge­ber des Plötzblog.

Es ist noch keine fünf Jahre her, dass der Geo­lo­gie­stu­dent Lutz Geiß­ler an sei­ner Diplom­ar­beit saß und in den Pau­sen Brot aus dem Super­markt in sich hin­ein­stopfte. „Das bil­ligste Misch­brot, das zu haben ist“, erin­nert er sich heute, mit „pap­pi­ger Kruste“ und „krü­me­li­ger, muf­fi­ger Krume“.

Heute betreibt der 29-Jährige mit dem Plötz­blog eine der belieb­tes­ten Brot­back­sei­ten im Inter­net — mit fast 500 Rezep­ten, mehr als 4.500 Kom­men­ta­ren und circa 20.000 Besu­chern im Monat. Außer­dem ver­treibt er Back­zu­be­hör, hat eine Reihe von Video­an­lei­tun­gen erstellt und gibt eigene Back­kurse. Brot aus dem Super­markt? Das käme ihm heute wohl nicht mehr zwi­schen die Zähne. Doch woher der Sinneswandel?

Das selbst­ge­ba­ckene Bröt­chen eines Bekann­ten ist es, das Lutz‘ Neu­gier weckt. „Und den Ehr­geiz, es selbst ein­mal zu pro­bie­ren.“ Seine Erfah­run­gen doku­men­tiert er in sei­nem Blog; als die Brot­back­the­men immer mehr domi­nie­ren, lagert er den Plötz­blog 2010 als eigen­stän­di­gen Blog aus. Mit der Zeit ent­wi­ckelt Lutz eine eigene Brot­back­phi­lo­so­phie — „mit Schwer­punkt auf gutem Geschmack, Geruch und natür­li­chen Zutaten“.

Heute sei das Brot­ba­cken ein „unheim­lich zer­streu­en­des, ent­span­nen­des, krea­ti­ves und vor allem lecke­res Hobby“, schreibt Lutz auf sei­ner Seite und fügt hinzu: „Der Blog soll für mich und für andere ein Archiv mei­ner Back­ver­su­che sein. Wich­tig ist mir, nicht nur die Erfolge, son­dern auch die Feh­ler und Unfälle zu doku­men­tie­ren. Ich bin ein Laie.“

Ein Laie mit einem Ziel: „Über allem aber steht mein Wunsch, so vie­len Men­schen wie mög­lich ein­mal mit gutem Brot den Mund wäss­rig zu machen.“

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… Lutz vom Plötzblog

1. Was ist dein Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Das kann ich nicht sagen. Ich habe kein ulti­ma­ti­ves Lieb­lings­brot, son­dern eine ganze Reihe von Favo­ri­ten. Meine Brot­lieb­linge im Jahr 2012 habe ich hier im Plötz­blog veröffentlicht.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Eine immer wich­ti­gere. Essen ist für mich inzwi­schen nicht mehr nur Nah­rungs­auf­nahme, son­dern ein Gegen­pol zur all­ge­mei­nen gesell­schaft­li­chen Beschleu­ni­gung. Zeit spielt in der Küche fast immer eine ent­schei­dende Rolle, erst recht beim Brot­ba­cken. Gutes Brot lässt sich nicht in einer Stunde backen. Es braucht vom Mischen ers­ter Zuta­ten bis zum Backen häu­fig mehr als einen Tag, bis das Brot aus dem Ofen geholt wer­den kann. Diese Zeit glau­ben wir heute nicht mehr zu haben. Inso­fern ver­stehe ich das Brot­ba­cken wie das Essen gene­rell auch als eine Art politisch-gesellschaftliches Zei­chen für die Lang­sam­keit (auch wenn das jetzt viel­leicht sehr hoch­ge­sto­chen klingt).

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Sie soll­ten sich mehr Zeit neh­men zum Essen selbst, aber auch bei der Nah­rungs­mit­tel­wahl. Hört auf eure Intui­tion. Warum muss es die Brühe aus der Tüte sein, wenn sie mit gering­fü­gig mehr Auf­wand, aber umso schmack­haf­ter selbst gekocht wer­den kann? Warum beim Groß­bä­cker oder im Super­markt Brot mit Emul­ga­to­ren, künst­li­chen Enzy­men und ande­ren geschmackstö­ten­den Mit­tel­chen kau­fen, wenn es der kleine Hand­werks­be­trieb mit Zeit und ohne Zusätze viel bes­ser kann?  Die Frage qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Pro­dukte ist häu­fig keine Frage des Gel­des, son­dern der Zeit, die jeder für den bewuss­ten Umgang mit Lebens­mit­teln auf­brin­gen möchte. Lie­ber weni­ger, aber dafür gut und bewusst essen. Wir soll­ten auf­pas­sen, unse­ren Geschmacks­sinn nicht der indus­tri­el­len Ein­heits­ware zu opfern.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Im letz­ten Jahr habe ich über einen befreun­de­ten Bäcker erfah­ren, dass mein Blog auch von Mit­glie­dern der Deut­schen Bäcker­aka­de­mie in Wein­heim besucht und als Inspi­ra­ti­ons­quelle genutzt wird. Das hat mich mehr als über­rascht und gefreut. Die schöns­ten Reak­tio­nen errei­chen mich aber über E-Mails und Kom­men­tare — und zwar dann, wenn meine Leser eines mei­ner Rezepte erfolg­reich nach­ge­ba­cken haben. Das macht mich wirk­lich zufrieden.

5. Wel­che drei Food­blogs kannst du empfehlen?

Ich könnte viel mehr emp­feh­len, aber im Bereich Brot lese ich der­zeit beson­ders die fol­gen­den drei Blogs gern:

  • http://berndsbakery.blogspot.ca/ — Bernd bäckt aus­schließ­lich mit Zuta­ten in Bio-Qualität und mit wil­den Hefen bzw. eige­nem Sau­er­teig. Sein natur­be­wusste Brot­back­phi­lo­so­phie gefällt mir sehr.
  • http://brotdoc.com/ — Björn über­zeugt mich mit sei­nen all­tags­taug­li­chen und sehr ver­läss­li­chen Rezepten.
  • http://www.thefreshloaf.com/blog/txfarmer — Txfar­mer ist wohl der Hob­by­bä­cker mit den spek­ta­ku­lärs­ten Back­wa­ren und dem meis­ten Wis­sen, wie Tei­gei­gen­schaf­ten gezielt beein­flusst wer­den kön­nen. Ich staune immer wie­der über die fan­tas­ti­schen Krumen…

Mehr über Lutz und seine Brote fin­det ihr im Plötz­blog.

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