Blog der Woche: Die Küchenschabe

Küchenschabe

Ihrem Blog sieht man an, dass die Küchen­schabe im Brot­be­ruf Gra­fi­ke­rin ist.

Blatta ori­en­ta­lis, die Gemeine Küchen­schabe, ist ein licht­scheuer, eher gars­tig aus­se­hen­der Geselle — und gilt als Vor­rats­schäd­ling, der laut Wiki­pe­dia „an ein­ge­la­ger­ten Nah­rungs­mit­teln des Men­schen schma­rotzt“. Kurzum: kein Gast, den Otto-Normalesser gerne in sei­ner Küche begrüßt.

Allein eine pas­sio­nierte Hob­by­kö­chin aus dem öster­rei­chi­schen Linz hat offen­bar ein beson­de­res Fai­ble für das Insekt, der sogar so weit geht, dass sie ihren Food­blog unter dem Pseud­onym Die Küchen­schabe betreibt. Ob’s an der Ent­ste­hungs­ge­schichte liegt? Denn wie Frau Küchen­schabe im Inter­view mit der Schmau­s­epost berich­tet, war es ein eher unschö­nes Erleb­nis, das sie zur Food­blog­ge­rin wer­den ließ. Von den Band­schei­ben gepei­nigt, musste sie im Som­mer 2011 drei Wochen lang zu Hause blei­ben — und durfte nicht sit­zen. Die Folge: Neben aus­ge­dehn­ten Spa­zier­gän­gen stand oft stun­den­lan­ges Kochen auf dem Pro­gramm. „Die Ergeb­nisse habe ich foto­gra­fiert“, erzählt sie. „Und so ist die Idee ent­stan­den, mit der Menge an Fotos auch einen Blog zu begin­nen — als ich dann wie­der sit­zen durfte.“

Dort fin­den sich heute allen voran öster­rei­chi­sche Spe­zia­li­tä­ten — von Eier­schwam­merl mit Ser­vi­et­ten­knö­del über süße Brand­teig­krap­ferl bis zu Haschee­knö­del mit Sau­er­kraut. Doch wie es sich für ein welt­weit ver­brei­te­tes (aus­ge­nom­men Ark­tis und Ant­ark­tis) Insek­ten gehört, krab­belt auch die kochende Küchen­schabe auch über den Tel­ler­rand der Alpen­re­pu­blik und ent­deckt dabei so ver­lo­ckende Gerichte wie Okto­pus in Rot­wein mit Blu­to­r­ange und Fen­chel oder Spar­gel thai­län­disch mit Lamm­filet und knusp­ri­ger Kokos­po­lenta. „Ich inter­es­siere mich sehr für die medi­ter­ra­nen und asia­ti­schen Küchen“, sagt die Küchen­schabe. „Gleich­be­rech­tigt ste­hen Fleisch­spei­sen neben Sup­pen und Kuchenkreationen.“

Doch auf ihrem Blog geht es nicht nur um Rezepte: So hart­nä­ckig wie Küchen­scha­ben, die selbst selbst die Atom­bom­ben­tests auf dem Bikini-Atoll unbe­scha­det über­stan­den haben, so beharr­lich äußert auch die schrei­bende Schabe ihre prin­zi­pi­el­len und kri­ti­schen Über­le­gun­gen zum Thema Lebens­mit­tel. Des Wei­te­ren gibt es Buch­re­zen­sio­nenEin­kaufs­tipps und eine Liste mit besu­chens­wer­ten Restau­rants.  

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… die Küchenschabe:

1. Was ist dein Lieb­lings­ge­richt in deinem Blog?

Küchen­schabe: Mein (der­zei­ti­ges) Lieb­lings­re­zept ist gefüllte Hüh­ner­brust mit Sau­er­kraut und Kräu­tern - ein Gericht, das trotz der unge­wöhn­li­chen und über­ra­schen­den Zuta­ten­kom­bi­na­tion her­vor­ra­gend schmeckt. Die Ursprünge des leicht nach­zu­ko­chen­den Rezepts stam­men von den Brü­dern Obauer.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in deinem Leben?

Küchen­schabe: Natür­lich spielt Essen eine wich­tige Rolle in mei­nem Leben. Vor allem aber die Beschäf­ti­gung mit Lebens­mit­teln und ihrer Her­kunft. Ich bemühe mich sehr, immer Fleisch von Tie­ren zu ver­ar­bei­ten, die art­ge­recht gehal­ten wur­den (siehe hier), habe ein Gemüse-Bio-Kistl abon­niert und baue auch selbst im Gar­ten Kräu­ter und ver­schie­de­nes Gemüse an – am liebs­ten sel­tene Sor­ten, die man kaum zu kau­fen bekommt.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Küchen­schabe: Men­schen soll­ten beim Ein­kau­fen der Nah­rungs­mit­tel dar­auf ach­ten, woher die Lebens­mit­tel kom­men. Äpfel aus Neu­see­land oder Brom­bee­ren aus Afrika müss­ten nicht sein. Auf Bana­nen würde ich aller­dings nicht verzichten…

4. Was war die schönste Erfah­rung mit deinem Blog?

Küchen­schabe: Die Reak­tio­nen auf mei­nem Blog, die mich am meis­ten freuen, sind Rück­mel­dun­gen von Lesern, die etwas nach­ge­kocht haben und denen es geschmeckt hat.

5. Wel­che Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Küchen­schabe: Unbe­dingt emp­feh­len möchte ich die Web­seite von Herr Kat­zer. Dort erfährt man wirk­lich alles über alle Kräu­ter und Gewürze – eine unent­behr­li­che Seite für jeden, der sich fürs Kochen interessiert. Bei den Blogs muss ich auch nicht lange über­le­gen, es sind dies die Blogs von Petra (Chili und Cia­batta), Katha (Ess­kul­tur — kuli­na­ri­sche Noti­zen) und Eline (Küchen­tanz):

  • Petra hat ein immen­ses Reper­toire an Rezep­ten jeg­li­cher Kate­go­rie. Und jedes Rezept gelingt, ich habe schon eine Menge nachgekocht.
  • Katha ist eine beses­sene Köchin, die in epi­scher Breite und enorm unter­halt­sam über das Essen schreibt. Ihre Mis­sion: bedin­gungs­lose Qualität.
  • Wer etwas über die feine Küche erfah­ren will, ist bei Eline rich­tig. Seit einer hal­ben Ewig­keit bloggt sie abso­lut hau­ben­taug­li­che Menü­fol­gen. Da kann auch der Profi nachschlagen.

Mehr über die Küchen­schabe, ihre Rezepte und ihren Blog steht auf www.diekuechenschabe.blogspot.de.

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