Blog der Woche: Foodfreak

Foodfrek

Als Asien-Liebhaberin sind für Petra auch Schwei­ne­füße nicht tabu.

Am 18. April 2005 trot­ten nicht weni­ger als 115 Kar­di­näle aus aller Welt in die Six­ti­ni­sche Kapelle zu Rom. Zusam­men­ge­bracht hat sie der Tod von Papst Johan­nes Paul II; als sie sich wenige Tage spä­ter tren­nen, heißt sein Nach­fol­ger Bene­dikt XVI. Seit­dem sind wir erst Papst gewe­sen, dann Ex-Papst und haben gar ein neu­er­li­ches Kon­klave erlebt — wie­der die Kar­di­näle, wie­der wei­ßer Rauch und wie­der ein weiß­haa­ri­ger Mann auf dem Bal­kon, der sich von Tau­sen­den fei­ern lässt, als habe er soeben das Rezept für die per­fek­ten Spa­ghetti Bolo­gnese entdeckt.

Doch darum soll’s an die­ser Stelle gar nicht gehen. Viel­mehr führt die Erin­ne­rung an jene his­to­ri­schen Stun­den vor Augen, dass die­ser 18. April 2005 schon ver­dammt lange her ist. Wes­halb man Petra Hil­de­brandt getrost als eine Food­blog­ge­rin der ers­ten Stunde bezeich­nen darf. Denn just als damals die Köpfe der Kar­di­näle in der Kapelle rau­chen, ver­öf­fent­licht die Ham­bur­ge­rin ihren ers­ten Ein­trag auf Foodfreak.de unter dem Titel „Zwi­schen Aal und Zuc­chini“. Und wäh­rend in Rom erst­mals schwar­zer Qualm aus dem Kamin auf­steigt, zitiert Petra in ihrem Food­blog einen der renom­mier­tes­ten Phi­lo­so­phen der Neu­zeit, näm­lich Kater Garfield:

Life is too short for a diet, sagte schon Gar­field. Wer würde der wohl­be­leib­ten Comi­cmieze da wider­spre­chen. In die­sem Sinne, guten Appetit.

Seit­dem hat Petra Hun­derte von Arti­keln auf ihrem Food­blog fol­gen las­sen — wobei ihr der Begriff Food­blog eigent­lich wider­strebt. Viel­mehr ver­steht sie Foodfreak.de als ein per­sön­li­ches Food-Magazin, „ein Abbild mei­ner eige­nen Inter­es­sen im Bereich Food“, wie sie es im Inter­view mit der Schmau­s­epost umschreibt.

Und diese Inter­es­sen gehen weit über das Hob­by­da­sein hin­aus, denn Petra ist nicht nur Food­blog­ge­rin, son­dern auch Auto­rin und Über­set­ze­rin im Bereich Food. So ist Foodfreak.de seit Beginn an zwei­spra­chig — Deutsch und Eng­lisch —, auch weil das Rei­sen neben dem Essen Petras zweite große Lei­den­schaft dar­stellt. Beson­ders Asien und die asia­ti­sche Küche haben es der Ham­bur­ge­rin ange­tan: „Die japa­ni­sche Ess­kul­tur und japa­ni­sche Rezepte sowie Bento-Boxen fas­zi­nie­ren mich“, sagt Petra, die gerade eben erst von einer neun­wö­chi­gen Süd­ost­asi­en­tour heim­ge­kehrt ist.

Was die Blog­ge­rin hin­ge­gen weni­ger mag, sind übereif­rige Essens­apos­tel. Denn: „Bes­ser­wis­ser und Mis­sio­nie­rer gibt es schon viel zu viele, und mit Ver­laub: Sie gehen mir auf den Keks.“ Viel lie­ber geht sie mit einem entspannt-augenzwinkernden Blick an das Thema Essen heran — so auch in ihrem Koch­buch für Geeks (2007) und dem LARP-Kochbuch (2006) für Live-Rollenspieler.

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… Petra von foodfreak.de

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Petra: Ich kann wirk­lich nicht ein Rezept zum Lieb­lings­ge­richt küren — nicht mal eines pro Jah­res­zeit. Das wäre ja so, als müsste man ein Lieb­lings­kind auswählen. Was ich momen­tan jedoch sehr gern noch mal kochen möchte, ist das japa­ni­sche Rind­fleisch mit Mandarinen-Soja-Sauce und Shi­chimi. Aber es gibt noch soo viele schöne Rezepte die aufs Aus­pro­bie­ren warten…

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Petra: Wir essen um zu leben, ich lebe um zu essen. Spaß bei­seite: natür­lich steht bei einer Food­blog­ge­rin und Über­set­ze­rin (auch) im Bereich Food, Ernäh­rung, Gesund­heit das Thema Essen sehr weit oben auf der Liste der rele­van­ten Dinge; unser Essen ist ein so span­nen­des, viel­sei­ti­ges und inter­es­san­tes (köst­li­ches) Thema, dass ich mich damit dau­er­haft pri­vat und beruf­lich befasse. Und ich bin sehr froh dass ich das kann. Ich koche so gut wie täg­lich selbst, und die nach unten offene Nach­koch­liste an auf­re­gen­den Rezep­ten aus aller Welt wird täg­lich länger.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Petra: Ich halte gar nichts davon, Leu­ten irgend­wel­che Vor­schrif­ten oder Emp­feh­lun­gen zum Thema Essen zu geben. Bes­ser­wis­ser und Mis­sio­nie­rer gibt es schon viel zu viele, und mit Ver­laub: Sie gehen mir auf den Keks. Das ein­zige, was mei­ner Mei­nung nach wirk­lich wich­tig ist, und womit viele Leute ein Pro­blem haben, ist ihr Essen bewusst zu genie­ßen. Ja, wir müs­sen alle essen, um am Leben zu blei­ben, aber Essen kann und sollte mehr sein: etwas, das uns Freude macht, sinn­li­che Erfah­run­gen ver­mit­telt. Sich dar­auf ein­zu­las­sen, das finde ich wichtig.

4) Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Petra: Ich freue mich immer, wenn Leser etwas nach­ko­chen und damit glück­lich sind.  Die schönste Reak­tion ist für mich, dass Men­schen, die ich nicht per­sön­lich kenne, mir sagen: Hey, du hast mich ermu­tigt, selbst was zu kochen, das ist toll gewor­den, danke. Das erlebe ich öfter. Es macht mich glück­lich, die Freude am guten Essen und am Genuss zu tei­len und wei­ter­ge­ben zu können.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Petra: Die Num­mer eins auf der Liste ist Chili & Cia­batta, die Web­site von Petra aus dem Bay­ri­schen Wald. Sie kocht einen Stil, der mei­nem nahe­kommt, hat immer köst­li­che und wun­der­schön bebil­derte Rezepte in ihrem Blog, und backt die tolls­ten Brote, die man sich vor­stel­len kann. Sehr gern lese ich The Blen­der, das Cor­po­rate Blog des US-Haushaltswarenkonzerns Williams-Sonoma, sie bie­ten eine schöne Mischung aus anspre­chende Rezep­ten und span­nen­den Chef-Interviews. Als Kon­trast dazu nenne ich noch Con­su­med Gour­met, ein Blog, das sich mit moder­nist cui­sine beschäf­tigt, und des­sen sehr abge­fah­rene Ideen ich höchst inspi­rie­rend finde.

Mehr über Petra und ihre Web­seite steht auf www.foodfreak.de.

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