Blog der Woche: Fool for Food

Beschriebung

Ein Urge­stein der deut­schen Food­blog­ger­szene: Clau­dia und Fool for Food.

 

Am 6. August 2005 tippte Clau­dia Schmidt fol­gende Zei­len in die Tastatur:

Kaum zu glau­ben, aber wahr: Nach­dem ich als Küchen­mis­sio­na­rin mit mei­nem Küchen­la­tein nicht immer auf die rich­tige Ziel­gruppe getrof­fen habe, war klar: Ein Blog muss her, damit end­lich ein­mal geneigte Leser und Koch­ver­rückte meine Tipps gebüh­rend würdigen.“

Es ist der Start­schuss für ihr Food­blog Fool for Food, und wenn man bedenkt, dass damals der Kanz­ler noch Ger­hard Schrö­der, der Natio­nal­trai­ner noch Jür­gen Klins­mann und der vor weni­gen Wochen frisch gewählt Papst Bene­dikt XVI. hieß, dann ist das schon eine Weile her — einer­seits. And­rer­seits ist die gute Clau­dia ja auch schon stolze 113 Jahre alt, wie sie auf ihrem Blog ver­rät. Und dem­nach hat die Ham­bur­ge­rin Auto­rin und Foto­gra­fin nur einen Bruch­teil ihres Leben blog­gend verbracht.

In die­ser Zeit war sie jedoch äußerst flei­ßig, sodass bis zum heu­ti­gen Tag mehr als tau­send Arti­kel auf Fool for Food erschie­nen sind. Dabei han­delt es sich allen voran um Rezepte, wobei sich Clau­dia von geräu­cher­tem Aal auf Rührei bis zu Zucker­scho­ten mit Cham­pi­gnons und Sesam ohne Scheu­klap­pen an jed­wege Küche ebenso her­an­wagt wie an Süßes und Sau­res, an Flei­schi­ges und Vege­ta­ri­sches sowie an kom­pli­zierte Gerichte und ein­fa­che Klas­si­ker. Nur drei Dinge würde sie nie essen, schreibt sie: Stier­sä­ckel, Beu­schel (Lunge) und Zunge.

Die­ses Trio fin­det sich wohl auch nicht in den rund 950 Koch­bü­chern, die Clau­dia ihr Eigen nennt. Drei davon hat sie selbst geschrie­ben, wobei „Alles Tomate“ sogar für den World Cook­book Award nomi­niert war. Ent­spre­chend kri­tisch geht sie in ihren Koch­buch­re­zen­sio­nen ans Werk, von denen sich inzwi­schen eben­falls unzäh­lige auf Fool for Food ange­sam­melt haben. Eine wei­tere Insti­tu­tion sind Clau­dias kuli­na­ri­schen Fund­stü­cke der Woche, in denen sie von lesens­wer­ten Arti­kel berich­tet, von Restau­rant­be­su­chen, Aus­flü­gen und was ihr sonst noch durch den Kopf schwirrt. Denn, so sagt sie im Inter­view mit der Schmausepost: „Eigentlich denke ich fast den gan­zen Tag an Lebens­mit­tel und an Rezepte.“

Bleibt eigent­lich nur noch eine Frage: 113 Jahre?

Dazu ein Satz aus Clau­dias 37 kuli­na­ri­schen Fak­ten über mich (statt des übli­chen Blablas):

Wenn Essen der Sex des Alters ist, bin ich geschätzte 113 Jahre alt.

 

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… Clau­dia von Fool for Food

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Clau­dia: Meine Lieb­lings­re­zepte sind eigent­lich recht unspek­ta­ku­lär. Ich habe ja eine Rubrik, die ich „To Die For“ nenne — damit label ich meine aktu­el­len Favoriten. Lieblingsgerichte sind bei mir abhän­gig von der Jah­res­zeit, vom Wet­ter und mei­ner per­sön­li­chen Laune. Wenn es um Coo­kies geht, sind diese Cho­co­late Chip Coo­kies mein Favorit. Bei den herz­haf­ten Gerich­ten ist das Boeuf Bour­gi­gnon von Julia Child mein Liebling.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Clau­dia: Essen spielt eine grosse Rolle in mei­nem Leben — weit ab von der Not­wen­dig­keit sich zu ernäh­ren. Ich lege viel Wert auf Selbst­ge­koch­tes. Das muss nicht immer spek­ta­ku­lär sein, mir rei­chen ein­fa­che, schmack­hafte Gerichte. Ein Ragu Bolo­gnese ist köst­lich, wenn man sich die Zeit nimmt, es selbst zuzubereiten. Außerdem beschäf­tige ich mich natür­lich auch beruf­lich mit Essen & Trin­ken: Ich arbeite als Food­re­dak­teu­rin. Und da alles, was mit Essen zu tun hat, auch mein Hobby ist, denke ich eigent­lich fast den gan­zen Tag an Lebens­mit­tel und an Rezepte.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Clau­dia: Die Men­schen soll­ten mehr dar­auf ach­ten, was ihnen da so als Essen ver­kauft wird. Sprich: Man kommt heute nicht mehr drum herum, die Zuta­ten­lis­ten genau zu lesen. Und im Zwei­fels­fall das Pro­dukt eben nicht kau­fen. Die Ver­brau­cher haben eigent­lich eine große Macht. Aber sie nut­zen sie nicht. Aus mei­ner Sicht sollte man stark ver­ar­bei­tete „Lebens­mit­tel“ mei­den. Sie ent­hal­ten oft Zusatz­stoffe (Aro­men, Kon­ser­vie­rungs­stoffe, Ver­di­ckungs­mit­tel), um den Aroma– und Geschmacks­ver­lust aus­zu­glei­chen, der beim Ver­ar­bei­ten und Kon­ser­vie­ren von Lebens­mit­tel zwang­läu­fig ein­tritt. Der rich­tige Nähr­wert ist gering, auch wenn sol­che Pro­dukte häu­fig mehr Kalo­rien, Zucker, Salz und Fett ent­hal­ten als einem lieb ist. Fer­tig­pro­dukte kos­ten zudem meist mehr Geld als Selbstgekochtes.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Clau­dia: Ich habe immer wie­der schöne Erfah­run­gen mit dem Blog. Das sind zum einen die Arti­kel, die in der Presse erschie­nen sind, zum ande­ren — und viel wich­ti­ger — die vie­len, vie­len Leser jeden Monat, die mir zei­gen, dass sie an dem inter­es­siert sind, was bei mir in der Küche pas­siert. Eine Lese­rin hat mei­nen Mohn­zopf zu Ostern nach­ge­ba­cken und twit­terte: „Das ist ja auch ein Gelin­g­re­zept :-)“. Eine Lese­rin schrieb auf der Face­book­seite, dass Sie lange nach dem Fär­be­re­zept ihrer Groß­mut­ter für Oster­eier gesucht hat, und es bei mir gefun­den hat. Eine andere Lese­rin schrieb, dass sie Weih­nach­ten viele Rezepte vom Blog nach­ge­kocht hat. Die Leute freuen sich ja auch, wenn das Selbst­ge­machte gut gelingt, und sie auch dafür gelobt und geliebt wer­den. Solch Feed­back freut mich unge­mein und sorgt für kleine Glücksmomente.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Clau­dia:

  • Robert von Lamia­cu­cina: Robert guckt bei allen Koch­pro­zes­sen gern hin­ter die Dinge und hat einer­seits eine fast wis­sen­schaft­li­che Neu­gier. Ande­rer­seits bleibt er immer noch in ers­ter Linie Gourmet.
  • Petra von Chili & Cia­batta: Eine Food­blog­ge­rin der ers­ten Stunde, die immer noch mit genauso viel Elan dabei ist wie am Anfang. Auch bei Petra wird alles selbst gekocht, geba­cken und viel Neues ausprobiert.
  • Paule von Pau­les Kit­chen: Sie ganz beson­ders wegen Ihrer Backexperimente.

Ich habe hier expli­zit nur deutsch­spra­chige Blogs auf­ge­führt, denn häu­fig fin­det man in der Presse viel Eng­lisch­spra­chi­ges. Mir gefal­len natür­lich Sei­ten wie What Katie Ate, La Tar­tine Gour­mande oder auch Sprou­ted Kit­chen gut, vor allem wegen der Optik. Aber wenn es um gute, gelingsi­chere Rezepte geht, sind es doch eher die schlich­ten Blogs (z.B. auch Smit­ten Kit­chen), die ich für Ihre Rezepte schätze.

Mehr über Clau­dia und ihr Blog steht auf www.foolforfood.de.

2 Gedanken zu „Blog der Woche: Fool for Food

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