Blog der Woche: High Foodality

Kulinarische Höhenflüge: Uwe schreibt auf High Foodality für Besseresser.

Kuli­na­ri­sche Höhen­flüge: Uwe schreibt auf High Foo­da­lity für Besseresser.

Man stelle sich ein­mal Fol­gen­des vor: Da weht einem der Duft von gegrill­ten Aprikose-Serranoschinken-Spießen um die Nase, der eigene Magen grum­melt bereits lau­ter, als Ger­hard Schrö­der je bei Par­tei­ta­gen geröhrt hat — doch alles, was man aus der Küche hört, ist ein „Gleich, ich muss nur noch schnell ein paar Fotos machen“. Und so war­tet man. Und war­tet. Und war­tet. Und fragt sich leise, ob gegen diese Art der olfak­to­ri­schen Fol­ter nicht sogar das Water­boar­ding der CIA einer Well­ness­be­hand­lung gleicht.

So ähnlich dürfte es der Fami­lie von Uwe bis­wei­len erge­hen, wenn ihr ste­tig wach­sen­der Hun­ger das Mit­tag­es­sen her­bei­sehnt — und das Fami­li­en­ober­haupt „noch schnell“ ein paar Fotos für sei­nen Blog High Foo­da­lity schie­ßen will. „Doch damit lernt man zu leben“, sagt Uwe in einem Video auf sei­ner Web­seite. „Dafür hat die Fami­lie jeden Tag neue und leckere Sachen auf dem Tisch.“

Tat­säch­lich mag man es ange­sichts der ambi­tio­nier­ten Rezepte auf High Foo­da­lity kaum glau­ben, wenn Uwe sagt: „Ich habe das Kochen nie gelernt. Kochen ist mein Hobby, ich bin sozu­sa­gen ein ech­ter Ama­teur, ein Koch-Dilettant.“ Der sich jedoch auf sei­ner „kuli­na­ri­schen Spiel­wiese“ auch an geho­bene Spei­sen wie lackier­ter Enten­brust auf gedämpf­tem Spi­nat mit Rosinen-Tellycherry-Pfeffer-Sauce und gefüll­tem Weiß­brot oder Enten­ragoût mit Taglia­telle und kara­mel­li­sier­ten Nashi-Birnen herantraut. „Ich habe eigent­lich so gut wie immer Hun­ger“, sagt Uwe im Inter­view mit der Schmau­s­epost. „Und wenn ich ein­mal kei­nen Hun­ger habe, dann denke ich über Essen nach.“

Auch seine zweite gro­ßen Lei­den­schaft kann Uwe, der seit 2009 bloggt, auf High Foo­da­lity aus­le­ben: die Foto­gra­fie. „Eines Tages möchte ich die foto­gra­fi­sche Qua­li­tät der pro­fes­sio­nel­len Maga­zine errei­chen – das ist ein wei­ter und stei­ni­ger Weg“, schreibt der Pro­jekt­ma­na­ger. „Ich mache mich aber gerne auf die Socken und arbeite mit viel Freude daran, die­ses Ziel zu erreichen.“

Die Liebe zum Kochen liegt bei Uwe übri­gens in der Fami­lie: Von sei­ner Mut­ter hat er laut eige­ner Aus­sage das Inter­esse an gutem Essen, etli­che Koch­bü­cher und viel Wis­sen rund um Zube­rei­tung, Ernäh­rung und Koch­tech­ni­ken geerbt. Und seine Cou­sine Juliane betreibt mit „Schö­ner Tag noch!“ eben­falls einen äußerst belieb­ten deutsch­spra­chi­gen Foodblog.

Ohne­hin pflegt Uwe den regen Aus­tausch mit wei­te­ren Food­blog­gern und hat im ver­gan­ge­nen Jahr das Pro­jekt „Cook­book of Colors“ ins Leben geru­fen. Dabei han­delt es sich um eine lie­be­voll gestal­te­tes Koch­buch, das nach Far­ben geord­net und mit aus­ge­wähl­ten Rezep­ten von diver­sen Blog­gern (unter 894 Ein­rei­chun­gen) bestückt ist — von wei­ßen Gerich­ten im Januar (etwa Sellerie-Meerettich-Püree, Red Snap­per, Jakobs­mu­schel, frit­tier­ter Reis und Parmesan-Chip), über gelbe Rezepte im Juli (Mangold-Ziegenkäse-Ravioli) bis hin zu schwar­zen Krea­tio­nen im Dezem­ber (schwar­zes Sesam-Eis). Das gesamte „Cook­book of Colors“ gibt es übri­gens inzwi­schen kos­ten­los zum Down­load.

INTERVIEW — 5 Fra­gen an…Uwe von High Foodality

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Uwe: Ich liebe die Thai-Bolognese. Das Gericht ist echte Fusion-Kitchen und lebt von medi­ter­ra­nen und asia­ti­schen Ein­flüs­sen: Gute Pasta trifft auf asia­tisch inter­pre­tierte Bolognese-Sauce mit vie­len frisch-scharfen Aro­men aus Limet­ten, Chi­lis und guter Cur­ry­paste. Das Gericht koche ich mit­tags regel­mä­ßig für meine Kol­le­gen, über die Jahre hat sich eine regel­rechte kleine Fan­ge­meinde gebildet.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Uwe: Ich habe eigent­lich so gut wie immer Hun­ger. Und wenn ich ein­mal kei­nen Hun­ger habe, dann denke ich über Essen nach. Gutes Essen, gute Lebens­mit­tel, die gemein­same Zube­rei­tung und der gemein­same Genuss sind eine der Säu­len mei­nes Den­kens und Lebens.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Uwe: Bio-Qualität wird oft­mals über Sai­so­na­li­tät und Regio­na­li­tät gestellt. Was nützt es, einen Bio-Apfel gekauft zu haben, der aber im Dezem­ber aus Israel ein­ge­flo­gen wird? Die Men­schen soll­ten ver­mehrt dar­auf ach­ten, sai­so­nal ein­zu­kau­fen und Pro­dukte aus ihrer Region zu bezie­hen. Am bes­ten direkt vom Erzeu­ger oder einem Händ­ler, der genau weiß, woher die feil­ge­bo­te­nen Pro­dukte stammen.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Uwe: Die schöns­ten Erfah­run­gen pas­sie­ren immer dann, wenn sich Dinge aus dem Inter­net in das echte Leben über­tra­gen: Du lernst neue Leute ken­nen, triffst diese, es bil­den sich Freund­schaf­ten. Ich durfte über mei­nen Blog schon einige wun­der­bare Men­schen ken­nen ler­nen und hoffe, dass dies noch lange so bleibt.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Uwe: Drei Food­blogs aus der Viel­zahl aus­zu­wäh­len ist wirk­lich hart. Ich hole mir sehr gerne Inspi­ra­tion bei Arthurs Toch­ter, weil ich dort noch sehr viel ler­nen und abgu­cken kann. Bei Grain de Sel finde ich immer neue, tolle Rezepte, die ich so sel­ten schon ein­mal an einem ande­ren Ort gese­hen habe — zudem sind die Gerichte immer toll foto­gra­fiert. Als dritte Quelle kann ich noch Gour­met Gue­rilla emp­feh­len — schöne Texte, künst­le­ri­sche Fotos, gutes Essen.

Mehr über Uwe und sei­nen Food­blog steht auf www.highfoodality.com.

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