Blog der Woche: Der Mut anderer

Mut anderer

Auf der Suche nach dem Mut ande­rer: Petra Hammerstein.

Gebeiz­tes Kalb­shirn, geba­ckene Lamm­ho­den, Pfer­de­rou­la­den, Kut­tel­suppe, Hüh­ner­krä­gen und Puten­her­zen. Nein, das ist nicht etwa der Spei­se­plan der Möch­te­gern­stars, die dem­nächst wie­der ins Dschun­gel­camp ein­zie­hen. Viel­mehr ist die­ses illus­tre Tier­en­sem­ble eine kleine Aus­wahl jener Gerichte, die Petra Ham­mer­stein in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten geges­sen und auf ihrem Food­blog vor­ge­stellt hat.

Umso mehr mag es auf den ers­ten Blick über­ra­schen, dass die Münch­ne­rin ihre Web­seite auf den Namen „Der Mut ande­rer getauft hat — schließ­lich wür­den die meis­ten Men­schen eher der­ar­tige Menüs mutig nen­nen. Doch der Name des Blogs bezieht sich nicht auf die Gerichte, son­dern rührt von ihren Kind­heits­er­fah­run­gen, wie Petra schreibt.

So habe es bei ihr daheim regel­mä­ßig Sül­zen, Haxen, Schlacht­plat­ten, Käl­ber­füße, Schwei­ne­oh­ren und Pfo­ten mit Sau­er­kraut, Gemüse und Salat gege­ben. „Spa­ghetti mit Toma­ten­soße waren mir fremd“, schreibt Petra. „Ekli­ges exis­tierte bei uns nicht, mein Vater aß gerne rohe Kalbs­le­ber mit Salz und Pfef­fer, ich auch (bis heute) und es war das nor­malste auf der Welt.“ Nicht so für die ande­ren Kin­der in der Schule: „Meine Ess­ge­wohn­hei­ten mach­ten mich zum Aus­sen­sei­ter, mein Hang zu exzen­ti­scher Klei­dung tat das Übrige“, erin­nert sie sich. „Aber ich habe wei­ter mein Essen geges­sen und ange­zo­gen was ich toll fand.“ Dies habe jedoch viel Mut gekos­tet — und so schlug ein Freund den Namen „Der Mut ande­rer“ vor, als Petra vor knapp drei Jah­ren ihren Food­blog mit fol­gen­dem Will­kom­mens­gruß eröffnete:

Will­kom­men zu mei­nen Ess– und Trink­ge­wohn­hei­ten.
Wo auch immer ich bin, gilt mein Inter­esse die­sen. Ich fahre für fri­sche Kalbs­le­ber, Fleisch und Wurst quer durch die Stadt zu mei­nen Lieb­lings­metz­gern, zu baye­ri­schen Seen um Ren­ken oder gar deren Leber zu bekom­men und für Wach­teln, Tau­ben, Hüh­ner und Gemüse zu ver­schie­de­nen Wochen­märk­ten.
Hier­bei wün­sche ich mir Begleitung.

Und genau das hat Petra über ihren Blog gefun­den, wie sie schreibt: „Andere, Sterne– und Hob­by­kö­che, denen es vor nichts graut und die unbe­irrt kochen und essen.“ Kurzum: Gleich­ge­sinnte, mit denen sie sich aus­tau­schen kann. 

Inhalt­lich wird auf „Der Mut ande­rer“ sel­ten geba­cken, sagt Petra im Inter­view mit der Schmau­s­epost. „Es gibt kaum Koh­len­hy­drate, dafür alles vom Tier, meist mit Gemüse.“ Neben fast ver­ges­se­nen Gerich­ten wie geba­cke­nem Kuh­eu­ter fin­det man auf dem Blog aber auch inter­na­tio­nale Küche — von schot­ti­schen Hag­gis über Borschtsch bis zu chi­ne­si­schem Schwei­ne­bauch. Und wenn Petra mal nicht in der Küche steht, dann ist sie in ihrem Fami­li­en­be­trieb anzu­tref­fen — dem Anti­qua­riat Hans Ham­mer­stein in der Tür­ken­straße in Mün­chen.

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… Petra von Der Mut anderer:

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Petra: Ich mag immer den letz­ten Bei­trag am liebs­ten, dann geht es wie­der weiter. Das Blog­gen kommt mir inso­fern auch ent­ge­gen, weil ich ungerne oft das Glei­che esse. Aber ich schlage häu­fig etwas auf mei­ner Seite nach und lese in alten Ein­trä­gen, z.B. auf der Suche nach der rich­ti­gen Pökel­salz­mi­schung.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Petra: Seit der Kind­heit eine sehr wich­tige, ich habe schon immer mit mei­ner Mut­ter gekocht und bin mit mei­nem Vater schon als Kind oft ins Restau­rant gegan­gen, was ich geliebt habe. Da war alles dabei, vom Ster­ne­lo­kal bis zum Ste­haus­schank, wo es übri­gens meis­tens gute Fleisch­pflan­zerl gibt, wenn der Wirt selbst kocht. Ich kaufe unwahr­schein­lich gerne Lebens­mit­tel ein und esse fast nur Selbstgekochtes. Auch weil ich neu­gie­rig bin, alles gerne pro­biere und für meine Vor­lie­ben auch gele­gent­lich nur für mich alleine kochen muss. Auswärts esse ich noch immer gerne, so rich­ten sich meine Rei­sen schon immer danach, was das Land für eine Küche bie­tet, und was ich bevor­zuge: also nach China, nicht nach Thai­land, nach Frank­reich, Eng­land und Ita­lien, nicht Rich­tung Bal­kan etc.

3. Worauf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Petra: Dass es ihnen schmeckt, was ich am wich­tigs­ten finde. Ich will nie­man­dem mora­lisch kom­men, Gesund­heits­apos­tel bin ich sowieso keiner. Auch kann ich ver­ste­hen, wenn einen Kochen und Essen nicht so interessieren. Ich stehe bei 30 Grad im Schat­ten in der Küche und mache Blut­wurst, andere lie­gen am See.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Petra: Ich freue mich immer, wenn der Blog andere ermu­tigt, Unbe­kann­tes aus­zu­pro­bie­ren und in der Küche expe­ri­men­tiert wird. Und natür­lich über jeden Kommentar. Da ich ja sehr öffent­lich auch im Anti­qua­riat erreich­bar bin, bekam ich ein­mal einen Anruf von einer Lese­rin. Sie war sich unsi­cher, ob Eier wirk­lich frit­tiert wer­den kön­nen, wie bei mir gezeigt. Das heiße Fett und das Eiweiß waren ihr nicht geheuer, was ich ver­ste­hen kann. Die Angst konnte ich ihr beim Gespräch nehmen.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Petra: Jen­ni­fer liebt wie ich Inne­reien und ver­wer­tet alles. Auch in ihren Koch­bü­chern „Odd Bits“, „Bones“ und „Fat“. Zum glei­chen Thema lese ich auch gerne auf der Web­seite Nose to Tail at Home. Meine Freun­din Katia in Paris bloggt täg­lich wie ich, bis auf Inne­reien haben wir die glei­chen Vorlieben. Und ich wün­sche mir ihren Markt um die Ecke, wo sie viel fri­schen Fisch und Scha­len­tiere einkauft.

Auf BBC Food fin­den sich Rezepte von Hes­ton Blu­men­thal, Nigel Sla­ter, Gior­gio Loca­telli etc. und natür­lich Rezepte zur eng­li­schen und iri­schen Küche. Und bei Miss Bou­lette mag ich sogar die Süßig­kei­ten, und wir tei­len, neben allen ande­ren, die große Liebe zum Kim­chi. Weil es mich an Hong Kong erin­nert, lese ich schon lange die Web­seite Hong­kong Food­blog.

Mehr über Petra und ihren Food­blog steht auf der Web­seite www.dermutanderer.de.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *