Blog der Woche: Feinkostpunks

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Fein­kost für Punks: Dan­jas Food­blog schließt auch Koch-Anfänger nicht aus.

Typisch für einen Punk, das weiß Wiki­pe­dia, sind sein pro­vo­zie­ren­des Aus­se­hen, die rebel­li­sche Hal­tung und sein non­kon­for­mis­ti­sches Ver­hal­ten. Von den Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten des gemei­nen Punks schreibt das Inter­net­le­xi­kon frei­lich nichts — und doch gilt als gesi­chert, dass Otto-Normal-Irokese eher auf die rich­ti­gen Sprin­ger­stie­fel Wert legt denn auf die rich­tige Spa­ghet­ti­soße, dass ihm das Nie­ten­hals­band näher ist als Nier­chen süß-sauer, und dass das er über das pas­sende Pier­cing leb­haf­ter dis­ku­tie­ren kann als über den pas­sen­den Pud­ding zum Dessert.

Umso mehr über­rascht es auf den ers­ten Blick, dass Danja ihren Food­blog auf den Namen Fein­kostpunks getauft hat — denn so recht mag das nicht zu den zucker­sü­ßen Cup­cakes, den Gemü­se­schät­zen und den vie­len fri­schen und gesun­den Gerich­ten pas­sen. Eigent­lich. Und doch steht Danja in man­cher­lei Hin­sicht den non­kon­for­mis­ti­schen Punks nahe, denn auch sie will mit ihrem Food­blog bis zu einem gewis­sen Grad anders sein als der Rest (der Food­blogs). „Ich möchte auf die­ser Seite gerne zei­gen, dass es weder unglaub­lich viel Zeit noch extra­teure Zuta­ten braucht, um etwas Fei­nes zu kre­ie­ren“, schreibt Danja. Und im Inter­view mit der Schmau­s­epost ver­weist sie in die­sem Zusam­men­hang auf die Kate­go­rie „fix ohne Fix“, die sie als eine der ers­ten auf ihrem Blog ein­ge­führt hat: „Hier kann jeder, der Lust hat, mir ver­ra­ten, was seine liebste Fix­tüte aus dem Super­markt ist, die er (bis­her) nicht erset­zen konnte oder wollte — und ich ver­su­che dann nach und nach, diese Lieb­lingstüt­chen frisch nachzukochen.“

Eine wei­tere eher unge­wöhn­li­che Kate­go­rie sind die Gemü­se­schätze. „Hier ver­su­che ich Gemü­se­sor­ten vor­zu­stel­len, mit denen viele noch nicht gekocht haben“, erklärt die 31-jährige Danja, die Bio­lo­gie stu­diert hat und inzwi­schen als Pro­jekt­ma­na­ge­rin arbei­tet. „Auch hier­für habe ich bei mei­nen Lesern und mei­nen Freun­den her­um­ge­fragt — und ganz tol­les Feed­back bekom­men. Das geht von eher aus­ge­fal­le­ne­ren Sachen wie Roma­nesco oder Wild­kräu­tern bis hin zu eher ver­brei­te­ten Sor­ten wie Auber­gi­nen und Rha­bar­ber.“ Schließ­lich seien viele ihrer Leser „eher Koch-Anfänger“, sagt Danja, und bis­lang an sol­chen Gemü­se­sor­ten im Super­markt oft vorbeigegangen.

Zum Thema Essen und Ernäh­rung hat Danja übri­gens eine spe­zi­elle Bezie­hung, wie sie im Gespräch mit der Schmau­s­epost erläu­tert. So sei sie als Kind und Jugend­li­che sehr dick gewe­sen, ehe sie — „lang­sam und ohne Stress“ — 40 Kilo abnahm. Den­noch betont sie bis heute: Das Wich­tigste beim Essen ist, dass es schmeckt!“   

Inter­view — 5 Fra­gen an… Danja von den Feinkostpunks

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Danja: Das ist gar nicht so ein­fach. Ich glaube für mich selbst ist die selbst­ge­machte Gemü­se­brü­hen­würze am wich­tigs­ten, weil ich damit so häu­fig koche. Für den Haus­frie­den ist aber wahr­schein­lich die Mairübchen-Suppe das tollste Rezept, das ist näm­lich das Lieb­lings­ge­richt von mei­nem Freund auf mei­nem Blog. Da er mich immer unter­stützt — egal ob beim Schnip­peln, Ein­kau­fen, ton­nen­weise Gemüse in den drit­ten Stock Schlep­pen oder als kuli­na­ri­sches Ver­suchs­ka­nin­chen — ist die­ses Rezept viel­leicht sogar noch wichtiger…

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Danja: Man­che mei­ner Freunde bezeich­nen mich als Food-Geek oder Food-Nerd, wenn sie mich ärgern wol­len. Also wie ein Com­pu­ter­freak, nur eben mit Essen. Ich weiß aber, dass das lie­be­voll gemeint ist, und irgend­wie haben sie ja auch Recht: Ich beschäf­tige mich wirk­lich gerne damit. So ganz von selbst kam das übri­gens nicht. Ich war als Kind und Jugend­lich sehr dick (also wirk­lich sehr — nicht nur ein biss­chen Baby­speck). Als ich das mit Anfang 20 ändern wollte, habe ich begon­nen, mich wirk­lich inten­siv mit dem, was ich esse, zu beschäf­ti­gen. Das Ergeb­nis ist nun eine Küche, die viel Gesun­des ent­hält. Aber auch Genuss ist mir extrem wich­tig. Ich habe damals 40 Kilo abge­nom­men — lang­sam und ohne Stress — das hätte ich ohne Genuss nie­mals durch­ge­hal­ten. Jetzt ver­su­che ich immer die rich­tige Balance zu fin­den, des­halb gibt es zwi­schen viel Gemüse auf mei­nem Blog auch immer wie­der sün­dige Rezepte, bei denen man mit dem Kalo­ri­en­zäh­len nie­mals anfan­gen sollte.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Danja: In ers­ter Linie dar­auf, was Ihnen schmeckt. Das klingt viel­leicht blöd und ein­fach — das soll näm­lich kein Frei­fahrt­schein sein, alles belie­big in sich hin­ein­zu­schau­feln. Aber ich glaube ein­fach, dass Genuss sehr wich­tig ist. Nie­mand kann auf Dauer eine Ernäh­rung durch­hal­ten, bei der er stän­dig auf Dinge ver­zich­tet, die ihm eigent­lich super schme­cken und nach denen er dann einen rich­ti­gen Heiß­hun­ger entwickelt.

Was ich aber jedem wirk­lich nur ans Herz legen kann, ist mal über Wochen­märkte oder in kleine Lebens­mit­tel­ge­schäfte zu gehen. Klar gibt es vie­les im Super­markt, aber auf dem Wochen­markt hat man ein ganz ande­res Erleb­nis: Man kann rie­chen und anfas­sen, was man kau­fen möchte — im Super­markt ist hin­ge­gen vie­les ein­ge­schweißt. Und man kann den Ver­käu­fer fra­gen, wie man die Sachen zube­rei­tet, wie reif die ein­zel­nen Sor­ten sind, und man bekommt Ware sai­so­nal. Wie oft höre ich im Super­markt Leute stöh­nen, wie teuer Paprika oder Him­bee­ren gerade sind — dabei ist tiefs­ter Win­ter! Sai­so­nal ein­zu­kau­fen schont das Porte­mon­naie und ist ein ganz ande­res Geschmackserlebnis.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Danja: Als mir mal jemand geschrie­ben hat, dass er vor­her nie gekocht hat, und sich jetzt extra für eines mei­ner Rezepte einen Pürier­stab und eine Auf­lauf­form gekauft hat — das hat mich total glück­lich gemacht. Und wenn jemand schreibt, dass das Familien-Lieblings-Tütengericht nun nur noch frisch gekocht wird, ohne dass Mann oder Kin­der anfan­gen zu meckern, dann geht mir auch das Herz auf.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Danja: Ich stö­bere gerne auf der Web­seite Love from the Oven - etwas amerikanisch-überladen und manch­mal zu süß, aber super­schöne Ideen für Zucker­bä­cke­rin­nen wie mich. Außer­dem mag ich den Blog Ohhh Mhhh - aber da geht es nur zum Teil um Essen, aber auch um andere hüb­sche Dinge. Ich bin halt ein Mäd­chen… Gerne stö­bere ich aber auch mal auf Eat Smar­ter: Die Rezepte dort sind alle eher leich­ter, fett­arm und trotz­dem lecker.

Mehr über Danja und ihren Food­blog steht auf www.feinkostpunks.de.

7 Gedanken zu „Blog der Woche: Feinkostpunks

  1. Ingrid Lochmann

    Hallo Jour­nal­list, ich ver­misse deine kor­rekte Kom­ma­set­zung in dei­ner Hass­ti­rade gegen Danja, wahr­schein­lich warst du zu echauf­fiert, um dar­auf zu ach­ten. Sorry, ist mir nur auf­ge­fal­len, als Lek­to­rin hat man jeden Tag mit sol­chen Pro­blem­chen zu tun. Was hast du gegen Danja? Siehst du sie nicht als Kol­le­gin, als eine Frau, die gerne kocht und die Ergeb­nisse sehr erfolg­reich in Bild und Wort umset­zen kann? Oder ist sie etwa deine Riva­lin? Ich liebe ihre Anre­gun­gen, vor allem liebe ich ihre food­bil­der, wie sie alles lie­be­voll foto­gra­fiert und doku­men­tiert. Sie erin­nert mich an Edward Espe Brown, das ist ein Zen-Koch. Kannste gerne mal recher­chie­ren, du als Super­koch
    muess­test ihn eigent­lich ken­nen…
    Der ist genial, jeden­falls genia­ler
    als du. Er hat ueb­ri­gens sei­nen Frie­den gefun­den, im Gegen­satz zu dir. Gerade wollte ich Dan­jas neu­es­ten lecke­ren Apfel­ku­chen aus­dru­cken. Allein deine Auf­re­gung ueber den Namen „fein­kost­punks“ ver­stehe ich in keins­ter Weise!!!!!! By the way: ich wuerde „Schmau­s­epost“ nie­mals lie­ben, geschweige denn abon­nie­ren, sorry, klingt irgend­wie schwul und immer noch an Mamas Rock­zip­fel haen­gend. Lie­ber Patrik Staeb­ler, wuen­sche dir trotz­dem alles gute fuer dei­nen blog und fuer deine wei­tere (ueber­heb­li­che) Zukunft.

    Ingrid

    Antworten
  2. bestguy

    @Ingrid

    Als Haß­ti­rade habe ich den Post nicht ver­stan­den. Viel­leicht ist Dein Blick etwas übersensibel?

    Grüße

    Der Nach­ko­cher

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  3. Flo

    Ich finde es super dass immer mehr Leute mer­ken, dass eine per­ma­nente Ernäh­rungs­um­stel­lung mehr bringt als eine Crash-Diät. Du hast oben erwähnt, dass du über 40 Kilo­gramm abge­nom­men hast. Wirk­lich eine tolle Leistung.

    Ich glaube ich kann hier noch einige gute Rezepte in meine Samm­lung auf­neh­men.
    Danke für deine Inhalte auf der Seite, gefällt mir gut.

    Liebe Grüße
    Flo :)

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