Blog der Woche: The Stepford Husband

Stepford

Kevin sagt über sei­nen Blog: „Die Gerichte schauen nach viel aus, sind aber ein­fach zuzubereiten.“

Der Name lässt viel Raum für Spe­ku­la­tio­nen: The Ste­pford Hus­band hat Kevin Ilse sei­nen Food­blog getauft — offen­bar nach dem Best­sel­ler Die Frauen von Ste­pford (The Ste­pford Wives), der 1972 von Ira Levin geschrie­ben und zuletzt 2004 mit Nicole Kid­man ver­filmt wurde. Kurz gesagt, geht es darin um eine Gruppe von benach­bar­ten Män­nern, die ihren Frauen Mikro­chips ins Gehirn ein­ge­pflanzt haben, sodass diese als will­fäh­rige Haus­frauen klag­los ihren Dienst in Heim und Küche tun. Der Begriff Stepford-Frau hat sich seit­dem im eng­li­schen Sprach­raum laut Wiki­pe­dia zum Syn­onym für die per­fekte, immer gut gelaunte Haus­frau entwickelt.

Food­blog­ger Kevin Ilse bezeich­net sich indes als Ste­pford Hus­band, also als Stepford-Mann. Weil seine Gerichte immer immer so per­fekt wie die Roboter-Frauen und beson­ders auf­wän­dig sind? Wohl eher nicht, wie er in einem Inter­view selbst sagt: „Meine Art zu kochen ist boden­stän­dig und ein­fach. Jeder soll meine Rezept nach­ko­chen kön­nen. Denn Essen soll zwar auch schön aus­se­hen, aber in ers­ter Linie ein­fach schme­cken und nicht vier Tage Vor­be­rei­tung brau­chen.“ Viel­mehr habe er im Jahr 2011 schlicht nach einem Namen für sei­nen Blog gesucht, der lus­tig ist — und da lan­dete er bei The Ste­pford Hus­band.

Dort fin­det man seit­dem jene Krea­tio­nen, die der Ober­ös­ter­rei­cher in sei­ner hei­mi­schen Küche kre­iert: boden­stän­dig, aber gewitzt; ein­fach, aber ohne Fer­tig­pro­dukte — und stets in einem unterhaltsam-augenzwinkernden Duk­tus und mit hoch­wer­ti­gen Fotos präsentiert. „Viele Men­schen set­zen bei Autos, Klei­dung und Urlau­ben auf Qua­li­tät und inves­tie­ren dabei viel Geld“, sagt Kevin, der im Beruf Mode­re­dak­teur bei einem öster­rei­chi­schen Maga­zin ist. „Geht es aber ums Essen, stop­fen sie billigst-produziertes Zeug in sich hin­ein. Dabei sollte man gerade hier auf Qua­li­tät achten.“

Die Band­breite der Gerichte auf The Ste­pford Hus­band ist dabei ganz und gar nicht ein­tö­nig à la Stepford-Frau: Von Süß­spei­sen (Polen­ta­schmar­ren) springt Kevin zu Sup­pen (Cre­mige Schwam­merl­suppe mit Sco­nes); Haus­manns­kost (Speck­knö­deln von Oma) steht neben Vege­ta­ri­schem (Spi­natsa­lat mit war­men Bir­nen); und von Fast Food (Kraut­fle­ckerln) geht es zu Tar­tes und Quiches (Erbsen-Tarte mit Minze). Oder wie es die Jury eines Food-Blog-Awards for­mu­liert hat:

Der Ste­pford Hus­band kocht mit einer Locker­heit Klei­nes und Gro­ßes, Süßes und Sau­res, Cle­ve­res und Schlaues, wie aus dem Ärmel geschüt­telt. Beim Lesen sei­nes Blogs fühlt man sich selbst wie ein Gast in sei­ner Küche.

INTERVIEW: 5 Fra­gen an… — Kevin von The Ste­pford Husband

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Kevin: Ganz ehr­lich? Eigent­lich immer genau das Neu­este! Da habe ich noch den Geschmack auf der Zunge und die Bil­der im Kopf.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Kevin: Mir war gutes Essen und auch das Zube­rei­ten von Essen immer schon sehr wich­tig. Denn ich bin nicht nur ein Genuss­mensch, son­dern für mich ist Essen auch eine Spra­che, die jeder ver­steht. Eine leckere Mahl­zeit bringt Men­schen an einen Tisch und bringt sie zum Reden und Schwär­men. Ich finde es gibt fast nichts Bes­se­res als ein paar Stun­den mit net­ten Men­schen ein lecke­res Essen zu genie­ßen und sich ange­regt zu unterhalten.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Kevin: Ich finde, gerade Fami­lien soll­ten das Essen wie­der mehr zum Ritual machen. Mit offe­nen Augen ein­kau­fen gehen, gemein­sam — gerade mit Kin­dern — kochen und zusam­men an einem Tisch essen. Und dabei auch immer wie­der gemein­sam Neues ausprobieren

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Kevin: Mich freut es immer, wenn Leser auf mich zukom­men und mir erzäh­len, dass sie etwas nach­ge­kocht haben und es ihnen geschmeckt hat oder sie auch etwas abge­än­dert haben.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Kevin: Ich bin selbst eigent­lich ein recht schlech­ter Foodblog-Leser, wenn ich mal ehr­lich sein darf. Des­halb habe ich keine fixe Liste an Blogs, die ich ver­folge. Im Moment lese ich aber immer mal wie­der gern in diese rein:

  • mimithorisson.com — Ihre wun­der­schö­nen Bil­der erzäh­len von einer Lan­d­idylle von der ich immer träume.
  • www.whatkatieate.com — Von der erfolg­rei­chen US-Bloggerin habe ich mir vor kur­zem das Koch­buch gekauft und erkunde auch immer noch gerne ihren Blog. Tolle Bil­der, tolle Rezepte!
  • complimenttothechef.com — Leckere Rezepte, schöne Bilder, sympathische Blog­ge­rin. Mehr kann man sich von einem Food­blog nicht wünschen.

Mehr über Kevin und sei­nen Food­blog steht auf www.thestepfordhusband.blogspot.de.

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