Schlagwort-Archiv: Der Mut anderer

Schmausepost vom 10. Mai

Schman­kerl der Woche

Unhalt­ba­rer Unsinn: Der Name ist ebenso lang wie ein­schüch­ternd — Min­dest­halt­bar­keits­da­tum. Ist es abge­lau­fen, wan­dern Lebens­mit­tel oft in den Müll. Doch wie lange sind Salat, Fleisch, Joghurt und Co. wirk­lich ess­bar? Eine Schwei­zer Zei­tung hat den Test gemacht — und Erstaun­li­ches fest­ge­stellt. Zum Bericht gibt’s Videos und eine prima Info­gra­fik.
20 Minu­ten

Zahl der Woche

24 Län­der hat der Foto­graf Peter Men­zel für sein Buch „Hungry Pla­net“ besucht und Durch­schnitts­fa­mi­lien gefragt, was bei ihnen in einer Woche auf den Tisch kommt — und wie viel sie dafür bezah­len. Eine Bil­der­ga­le­rie beim Guar­dian gibt einen Über­blick —  von Sudan bis Deutsch­land.
Guar­dian

Nach­rich­ten

Zwangs­im­port: Die gute Nach­richt: Bio-Lebensmittel boo­men — im Schnitt gibt jeder Deut­sche 73 Euro pro Jahr dafür aus. Die schlechte Nach­richt: Deut­sche Bau­ern pro­fi­tie­ren davon nur bedingt. So wird ein Groß­teil vie­ler Bio-Produkte impor­tiert, obwohl der Anbau hier­zu­lande mög­lich wäre.
Spiegel-OnlineTages­schau

Streit gesät: Der Streit um die Neu­re­ge­lung der Saat­gut­ver­ord­nung durch die EU geht in eine neue Runde. Nach­dem der zustän­dige Kom­mis­sar einen Ent­wurf vor­ge­legt hat, fürch­ten Bio­land­wirte und Hob­by­gärt­ner, dass sie gegen­über Kon­zer­nen wie Mons­anto benach­tei­ligt wer­den.
tazSüd­deut­scheNaturkost.de (Kri­tik)Kar­tof­fel­kom­bi­nat (Kri­tik)Save Our Seeds (Petition)

McLeh­rer: Wer­bung in Schu­len ist ver­bo­ten. Eigent­lich. Doch etli­che Kon­zerne umge­hen die Rege­lung, indem sie Unter­richts­ma­te­rial zur Ver­fü­gung stel­len oder Sport­ver­an­stal­tun­gen unter­stüt­zen. Das pran­gert die Orga­ni­sa­tion Food­watch an, die der­zeit über die dreis­teste Wer­be­ma­sche für Kin­der­pro­dukte abstim­men lässt.
Spiegel-Online (Schul­wer­bung)Food­watch (Gol­de­ner Windbeutel)

Hung­rige Händ­ler: „Spe­ku­lan­ten des Todes“: So wer­den oft­mals Fonds gebrand­markt, die mit Agrar­roh­stof­fen spe­ku­lie­ren. Doch laut einer neuen Stu­die kön­nen sie nicht für Hun­ger­kri­sen ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, so die Auto­ren in einem Gast­bei­trag in der SZ. Der­weil übt die Hilfs­or­ga­ni­sa­tion Oxfam wei­ter Kri­tik.
Süd­deut­scheWelt (Oxfam)

Lese­ge­schich­ten

Krabbeltier-Kost: Knusp­rige Gril­len zu Gän­se­le­ber oder gerös­te­tes Wür­mer­mehl an Kabel­jau: Ein fran­zö­si­scher Ster­ne­koch hat jah­re­lang Rezepte kre­iert und nach Lie­fe­ran­ten gesucht. Nun kom­men die Insek­ten­me­nüs auf die Karte sei­nes Restau­rants — obwohl er damit den Ver­lust des Michelin-Sterns ris­kiert.
Spiegel-Online

Spargel-Spitze: Gerade wenn man denkt, nun wirk­lich alles über Spar­gel gese­hen und gele­sen zu haben, stellt die NZZ den mit dem Abstand bes­ten Rund­um­schlag zu dem Thema ins Netz. In Text, Fil­men und Kar­ten gibt es aller­lei Wis­sens­wer­tes rund um das Gemüse — inklu­sive einer Video-Kochanleitung.
Neue Zür­cher Zeitung

Brot-Blogger: Es gibt Wein­con­nais­seure, Käse­gour­mets und Gewürz­fe­ti­schis­ten. Aber Brot? Lutz Geiß­ler hat vor fünf Jah­ren sein ers­tes Brot geba­cken und war sofort ange­fixt. Sein Plötz­blog war „Blog der Woche“ in der Schmau­s­epost; nun wid­met sich der Tages­spie­gel dem Blog­ger in einem unter­halt­sa­men Por­trät.
Tages­spie­gelPlötz­blogSchmau­s­epost (Plötzblog)

Lebensmittel-Lügen: Von Schummel-Smoothies über Gummi-Camembert bis zu Aro­men und Farb­stof­fen: Autor Jörg Zipprick nimmt sich im Inter­view die Tricks der Kon­zerne vor. Sein Appell: Gehen Sie zu Bäcker, Metz­ger und Co. Ohne kuli­na­ri­sche Hand­wer­ker bliebe uns nur noch das Industrie-Essen.
TLZ.de

Blog­schau

Alles düs­ter: Die Food­figh­ters sind eine Gruppe von Koch­pro­fis, die gegen Essens­ver­schwen­dung und für einen nach­hal­ti­gen Umgang mit Res­sour­cen kämp­fen. Einer von ihnen ist Michael Schie­fer­stein. Im Inter­view zeich­net er ein düs­te­res Bild von der heu­ti­gen Lebens­mit­tel­pro­duk­tion — und gibt Tipps, was jeder Ein­zelne tun kann.
nach­hal­tigle­ben (Teil 1)nach­hal­tigle­ben (Teil 2)

Alles ver­ges­sen: Pfer­de­fleisch in der Lasa­gne — war da was? Vier Monate nach dem Skan­dal hat der Super­markt­blog bei den Lebens­mit­tel­ket­ten nach­ge­fragt, was seit­dem pas­siert ist. Zudem wirft der Bericht einen Blick auf die Ver­brau­cher: Hat sich ihr Ein­kaufs­ver­hal­ten ver­än­dert?
Super­markt­blog

Alles anders: Das Noma in Kopen­ha­gen hat unlängst den Titel als „Bes­tes Restau­rant der Welt“ ver­lo­ren — aber nicht sei­nen legen­dä­ren Ruf. Peter von „Aus mei­nem Koch­topf“ lie­fert ein Por­trät des etwas ande­ren Lokals und stellt zudem das Buch von Noma-Chefkoch René Red­zepi vor.
Aus mei­nem Kochtopf

Alles erklärt: Um Gril­len, Kochen und Fleisch geht es im Youtube-Kanal „Dis­tur­bed Coo­king“ von Sven Rim­mel­spa­cher. Nun ist ein Video des Karls­ru­hers für den Web­vi­deo­preis nomi­niert wor­den. Darin zeigt er, wie man ein 1,2 Kilo schwe­res Port­er­house Steak würzt, grillt und gart.
Web­vi­deo­preisDis­tur­bed Cooking

Buch der Woche

Ret­te­rin des Geschmacks: „Zukunfts­menü“ heißt das neue Buch von Sarah Wie­ner. Darin nimmt sich die Star-Köchin keine Rezepte vor, son­dern plä­diert für einen neuen Umgang mit unse­rer Nah­rung. Mela­nie und Sönke vom Vollwert-Blog haben sich das Werk ange­se­hen und eine lesens­werte Kri­tik ver­fasst.
Vollwert-Blog

App der Woche

Spar­gel: Der schlichte Name „Spar­gel“ dürfe nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass dahin­ter eine der bes­se­ren Apps zum Thema Spar­gel ste­cke, urteilt Nicki in ihrer Rezen­sion für Guten APPe­tit. Die kos­ten­lose iPhone– App bie­tet nicht nur eine kleine Samm­lung von Rezep­ten, son­dern auch viel Wis­sens­wer­tes rund um das Gemüse.
Guten APPe­tit

Blog der Woche

Der Mut ande­rer: Von Hirn bis Hoden, von Schwei­ne­füße bis Schafs­ma­gen: Petra von „Der Mut ande­rer“ schreckt vor kaum einem Gericht zurück — und doku­men­tiert die kuli­na­ri­schen Aben­teuer in ihrem Food­blog. Woher ihre Vor­liebe für Inne­reien kommt, und was es mit dem Namen der Web­seite auf sich hat — das ver­rät Petra im Inter­view mit der Schmau­s­epost.
Schmau­s­epost (Por­trät & Inter­view)Der Mut anderer

Rezepte der Woche

Lasa­gne mit Lachs und Spar­gel: Auch wenn wir in den letz­ten Wochen gefühlt mehr Spar­gel­re­zepte gele­sen haben als Uli Hoeneß in sei­nem Leben Würste ver­drückt hat — an die­ser Krea­tion des Schwei­zer Blogs Trüf­fel­schwein kom­men wir nicht vor­bei: Spar­gel­la­sa­gne mit Lachs — ein opti­scher und gusta­to­ri­scher Hoch­ge­nuss.
Trüf­fel­schwein

Kai­ser­schmarrn (vege­ta­risch): Über die Her­kunft des Begriffs Kai­ser­schmarrn ran­ken sich zahl­lose Legen­den — mal ist die figur­be­wusste Sissi der Namens­ge­ber, mal ein miss­glück­ter Pala­tschin­ken. Drei popu­läre Anek­do­ten hat Toni von „Because You Are Hungry“ aus­ge­gra­ben, und lie­fert zudem ein Rezept für den öster­rei­chi­schen Klas­si­ker.
Because You Are Hungry

Nach­schlag

Fruch­ti­ges Rät­sel­ra­ten Tama­rillo oder Tama­r­inde? Und wie sieht noch ein­mal eine Guave aus? Beim Video-Quiz des Süd­deut­schen geht es um exo­ti­sche Früchte. Hier kön­nen Nut­zer ihr Obst­wis­sen unter Beweis stel­len.
Süd­deut­sche

Blog der Woche: Der Mut anderer

Mut anderer

Auf der Suche nach dem Mut ande­rer: Petra Hammerstein.

Gebeiz­tes Kalb­shirn, geba­ckene Lamm­ho­den, Pfer­de­rou­la­den, Kut­tel­suppe, Hüh­ner­krä­gen und Puten­her­zen. Nein, das ist nicht etwa der Spei­se­plan der Möch­te­gern­stars, die dem­nächst wie­der ins Dschun­gel­camp ein­zie­hen. Viel­mehr ist die­ses illus­tre Tier­en­sem­ble eine kleine Aus­wahl jener Gerichte, die Petra Ham­mer­stein in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten geges­sen und auf ihrem Food­blog vor­ge­stellt hat.

Umso mehr mag es auf den ers­ten Blick über­ra­schen, dass die Münch­ne­rin ihre Web­seite auf den Namen „Der Mut ande­rer getauft hat — schließ­lich wür­den die meis­ten Men­schen eher der­ar­tige Menüs mutig nen­nen. Doch der Name des Blogs bezieht sich nicht auf die Gerichte, son­dern rührt von ihren Kind­heits­er­fah­run­gen, wie Petra schreibt.

So habe es bei ihr daheim regel­mä­ßig Sül­zen, Haxen, Schlacht­plat­ten, Käl­ber­füße, Schwei­ne­oh­ren und Pfo­ten mit Sau­er­kraut, Gemüse und Salat gege­ben. „Spa­ghetti mit Toma­ten­soße waren mir fremd“, schreibt Petra. „Ekli­ges exis­tierte bei uns nicht, mein Vater aß gerne rohe Kalbs­le­ber mit Salz und Pfef­fer, ich auch (bis heute) und es war das nor­malste auf der Welt.“ Nicht so für die ande­ren Kin­der in der Schule: „Meine Ess­ge­wohn­hei­ten mach­ten mich zum Aus­sen­sei­ter, mein Hang zu exzen­ti­scher Klei­dung tat das Übrige“, erin­nert sie sich. „Aber ich habe wei­ter mein Essen geges­sen und ange­zo­gen was ich toll fand.“ Dies habe jedoch viel Mut gekos­tet — und so schlug ein Freund den Namen „Der Mut ande­rer“ vor, als Petra vor knapp drei Jah­ren ihren Food­blog mit fol­gen­dem Will­kom­mens­gruß eröffnete:

Will­kom­men zu mei­nen Ess– und Trink­ge­wohn­hei­ten.
Wo auch immer ich bin, gilt mein Inter­esse die­sen. Ich fahre für fri­sche Kalbs­le­ber, Fleisch und Wurst quer durch die Stadt zu mei­nen Lieb­lings­metz­gern, zu baye­ri­schen Seen um Ren­ken oder gar deren Leber zu bekom­men und für Wach­teln, Tau­ben, Hüh­ner und Gemüse zu ver­schie­de­nen Wochen­märk­ten.
Hier­bei wün­sche ich mir Begleitung.

Und genau das hat Petra über ihren Blog gefun­den, wie sie schreibt: „Andere, Sterne– und Hob­by­kö­che, denen es vor nichts graut und die unbe­irrt kochen und essen.“ Kurzum: Gleich­ge­sinnte, mit denen sie sich aus­tau­schen kann. 

Inhalt­lich wird auf „Der Mut ande­rer“ sel­ten geba­cken, sagt Petra im Inter­view mit der Schmau­s­epost. „Es gibt kaum Koh­len­hy­drate, dafür alles vom Tier, meist mit Gemüse.“ Neben fast ver­ges­se­nen Gerich­ten wie geba­cke­nem Kuh­eu­ter fin­det man auf dem Blog aber auch inter­na­tio­nale Küche — von schot­ti­schen Hag­gis über Borschtsch bis zu chi­ne­si­schem Schwei­ne­bauch. Und wenn Petra mal nicht in der Küche steht, dann ist sie in ihrem Fami­li­en­be­trieb anzu­tref­fen — dem Anti­qua­riat Hans Ham­mer­stein in der Tür­ken­straße in Mün­chen.

INTERVIEW — 5 Fra­gen an… Petra von Der Mut anderer:

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Petra: Ich mag immer den letz­ten Bei­trag am liebs­ten, dann geht es wie­der weiter. Das Blog­gen kommt mir inso­fern auch ent­ge­gen, weil ich ungerne oft das Glei­che esse. Aber ich schlage häu­fig etwas auf mei­ner Seite nach und lese in alten Ein­trä­gen, z.B. auf der Suche nach der rich­ti­gen Pökel­salz­mi­schung.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Petra: Seit der Kind­heit eine sehr wich­tige, ich habe schon immer mit mei­ner Mut­ter gekocht und bin mit mei­nem Vater schon als Kind oft ins Restau­rant gegan­gen, was ich geliebt habe. Da war alles dabei, vom Ster­ne­lo­kal bis zum Ste­haus­schank, wo es übri­gens meis­tens gute Fleisch­pflan­zerl gibt, wenn der Wirt selbst kocht. Ich kaufe unwahr­schein­lich gerne Lebens­mit­tel ein und esse fast nur Selbstgekochtes. Auch weil ich neu­gie­rig bin, alles gerne pro­biere und für meine Vor­lie­ben auch gele­gent­lich nur für mich alleine kochen muss. Auswärts esse ich noch immer gerne, so rich­ten sich meine Rei­sen schon immer danach, was das Land für eine Küche bie­tet, und was ich bevor­zuge: also nach China, nicht nach Thai­land, nach Frank­reich, Eng­land und Ita­lien, nicht Rich­tung Bal­kan etc.

3. Worauf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Petra: Dass es ihnen schmeckt, was ich am wich­tigs­ten finde. Ich will nie­man­dem mora­lisch kom­men, Gesund­heits­apos­tel bin ich sowieso keiner. Auch kann ich ver­ste­hen, wenn einen Kochen und Essen nicht so interessieren. Ich stehe bei 30 Grad im Schat­ten in der Küche und mache Blut­wurst, andere lie­gen am See.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Petra: Ich freue mich immer, wenn der Blog andere ermu­tigt, Unbe­kann­tes aus­zu­pro­bie­ren und in der Küche expe­ri­men­tiert wird. Und natür­lich über jeden Kommentar. Da ich ja sehr öffent­lich auch im Anti­qua­riat erreich­bar bin, bekam ich ein­mal einen Anruf von einer Lese­rin. Sie war sich unsi­cher, ob Eier wirk­lich frit­tiert wer­den kön­nen, wie bei mir gezeigt. Das heiße Fett und das Eiweiß waren ihr nicht geheuer, was ich ver­ste­hen kann. Die Angst konnte ich ihr beim Gespräch nehmen.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Petra: Jen­ni­fer liebt wie ich Inne­reien und ver­wer­tet alles. Auch in ihren Koch­bü­chern „Odd Bits“, „Bones“ und „Fat“. Zum glei­chen Thema lese ich auch gerne auf der Web­seite Nose to Tail at Home. Meine Freun­din Katia in Paris bloggt täg­lich wie ich, bis auf Inne­reien haben wir die glei­chen Vorlieben. Und ich wün­sche mir ihren Markt um die Ecke, wo sie viel fri­schen Fisch und Scha­len­tiere einkauft.

Auf BBC Food fin­den sich Rezepte von Hes­ton Blu­men­thal, Nigel Sla­ter, Gior­gio Loca­telli etc. und natür­lich Rezepte zur eng­li­schen und iri­schen Küche. Und bei Miss Bou­lette mag ich sogar die Süßig­kei­ten, und wir tei­len, neben allen ande­ren, die große Liebe zum Kim­chi. Weil es mich an Hong Kong erin­nert, lese ich schon lange die Web­seite Hong­kong Food­blog.

Mehr über Petra und ihren Food­blog steht auf der Web­seite www.dermutanderer.de.