Schlagwort-Archiv: Petra Holzapfel

Schmausepost vom 14. Juni

Schman­kerl der Woche

Rauch­zei­chen: Nach Wochen des wider­li­chen Wüh­lings (=win­ter­li­cher Früh­ling) strahlt nun end­lich die Som­mer­sonne über Deutsch­land — und das lockt sogleich die Gril­la­fi­cio­na­dos ins Freie. Als Ein­stim­mung hier die bes­ten Grill-Geschichten die­ser Woche:

Zahl der Woche

–4 Grad kalt ist Spei­se­eis kurz vor dem Ver­zehr — und den­noch braucht sich der Eis­schle­cker keine Sor­gen um einen ver­kühl­ten Magen machen. Denn im Mund erwärmt sich das Eis bereits auf acht Grad, ehe es im Magen schnell eine Tem­pe­ra­tur von rund 20 Grad annimmt, berich­tet der Ver­band der Lebens­mit­tel­che­mi­ker.
Süd­deut­scheVer­band d. Lebens­mit­tel­che­mi­ker (Infos zu Speiseeis)

Nach­rich­ten

Eher unap­pe­tit­lich: „Rat­ten­gift bei Lidl!“, mel­det das ARD-Magazin Kon­traste — und meint damit nicht etwa das dor­tige Lebens­mit­tel­sor­ti­ment. Viel­mehr haben die Repor­ter her­aus­ge­fun­den, dass der Dis­coun­ter in ein­zel­nen Filia­len Rat­ten­gift aus­legt, ohne die Kun­den oder das Gesund­heits­amt zu infor­mie­ren. Lidl wehrt sich gegen die Vor­würfe.
Kon­traste (mit Video)Focus (Lidl wehrt sich)

Eher uncool: Tief­kühl­pizza, Fisch­stäb­chen, Früh­lings­rol­len aus dem Eis­schrank: So sieht der Spei­se­plan tau­sen­der Mäd­chen und Buben aus. Dachte man. Doch nun mel­det die FAZ, dass Jugend­li­che Tief­kühl­ge­richte ableh­nen, ja sogar pein­lich fin­den. Ent­spre­chend sorgt sich das Deut­sche Tief­küh­lin­sti­tut um das Image der Tief­kühl­kost.
FAZ

Dumme Sache: Lebens­mit­tel als Jung­brun­nen? Das ist bis­lang noch ein uner­reich­ter Traum. In einer umfang­rei­chen Feld­stu­die haben For­scher nun fast 200 Unter­su­chun­gen zum Thema Anti-Aging-Lebensmittel ana­ly­siert. Ihr Fazit: Nach­ge­wie­sen ist bis­lang ledig­lich, dass eine kon­trol­lierte Ener­gie­zu­fuhr offen­bar einen lebens­ver­län­ger­ten Effekt hat.
aid

Krumme Sache: Die wohl bekann­teste EU-Vorschrift fei­ert Geburts­tag: Vor 25 Jah­ren wurde die Ver­ord­nung 1677/88 ver­ab­schie­det, die unter ande­rem den Krüm­mungs­grad von Gur­ken fest­legte. Sie galt jah­re­lang als Syn­onym für Brüss­ler Büro­kra­tie­wahn — dabei ist der Ver­ord­nung viel Unrecht wider­fah­ren.
Süd­deut­sche

Lese­ge­schich­ten

Vive la revo­lu­tion: Immer häu­fi­ger kommt die Soße aus dem Eimer, die Crême Bru­lée aus dem Eis­schrank und der Salat aus der Tüte — auch im Restau­rant. Dage­gen weh­ren sich nun in Frank­reich einige Gas­tro­no­men der alten Schule. Sie wol­len den Begriff „Restau­rant“ schüt­zen las­sen.
Spie­gel

Viva la gorda: Das beste Fleisch der Welt stammt von 13 bis 18 Jahre alten Kühen, da ist sich Ima­nol Jaca sicher. Doch in Zei­ten der Mas­sen­hal­tung wer­den die meis­ten Tiere nach zwei bis drei Jah­ren Mast geschlach­tet. Daher sucht der Baske in ganz Europa nach alten, fet­ten Kühen. Effilee-Autor Vijay Sapre hat ihn besucht.
Effi­lee

Long live the Bak­ery:, Jeden Tag stirbt in Deutsch­land eine Bäcke­rei. Der Grund: Immer mehr Kun­den kau­fen ihre Bröt­chen bei Dis­coun­ter, Super­markt und Tank­stelle. Ihnen will der Bäcker­ver­band den Begriff „backen“ ver­bie­ten. Denn: „Wo Bröt­chen nur auf­ge­wärmt wer­den, muss das auch so benannt wer­den.„
Stern/dpa

Lang lebe die Lüge: Als Kind haben wir gelernt: Spi­nat ent­hält popey­mä­ßig viel Eisen. Und Karot­ten sind gut für die Augen. Doch stimmt das? Udo Poll­mer ent­larvt in sei­ner Deutschlandfunk-Kolumne „Mahl­zeit“ beliebte Ernäh­rungs­my­then und erläu­tert ihren Ursprung.
Deutsch­land­ra­dio (Text)Deutsch­land­ra­dio (Audio)Deutsch­land­ra­dio (Mahlzeit)

Blog­schau

Menüs im Dut­zend: Zwölf Food­blog­ger, zwölf Inter­views, zwölf Menüs mit 48 Gerich­ten: Das ist die Idee hin­ter „Kuli­na­ri­sche Moment­auf­nah­men — Die bunte Welt der Food­blogs“ von Ariane Bille. Nun ist die Caramelized-App erschie­nen; im Herbst folgt das Buch. Das hat Ariane bei einem Food­blog­ger­tref­fen mit den Prot­ago­nis­ten gefei­ert.
Kuli­na­ri­sche Moment­auf­nah­menVor­spei­sen­platte (Bericht)Hei­kes Blog (Bericht)Deichrunner’s Küche (Bericht)Küchen­tanz (Bericht)

Teure Ver­mitt­ler: Jeder fünfte Deut­sche lässt sich min­des­tens ein­mal im Monat Essen nach Hause lie­fern. Immer häu­fi­ger geschieht dies über Online-Vermittler wie Lie­fe­r­ando oder pizza[.]de. Doch wie finan­zie­ren sich diese Dienste? Und wieso weh­ren sich einige Lie­fe­ran­ten gegen sie? Auto­rin Nadja Schlü­ter hat für jetzt.de nach­ge­fragt.
jetzt.de

Ein­kaufs­rat­ge­ber: Mael­stream setzt seine Reihe „Das per­fekte Steak“ fort. Dies­mal geht es um die ver­schie­de­nen Optio­nen, wo man das Fleisch kau­fen kann — von Metz­ger über Online-Lieferdienst bis Wochen­markt.
Mael­streamMael­stream (Teil 1, Rasse & Cuts)

Alles Ansichts­sa­che: Der Google Rea­der stirbt — was nun? Arne von Vege­ta­rian Dia­ries stellt Alter­na­ti­ven vor, und bewer­tet sie spe­zi­ell aus der Sicht von Food­blog­gern.
Vege­ta­rian Diaries

Buch der Woche

Junk Food — aber rich­tig!: Junk Food bedeu­tet über­setzt „min­der­wer­ti­ges Essen“ — doch dage­gen wehrt sich Lise­lotte Fors­lin. In ihrem Buch beschreibt sie, wie man Ham­bur­ger, Cole Slow und Co. sel­ber machen kann — ohne über­mä­ßig Salz, Zucker und Fett. Peter von „Aus mei­nem Koch­topf“ lobt: „Obwohl ich gar nicht zu den rich­ti­gen Junk-Food-Fans gehöre, ist mir an vie­len Stel­len das Was­ser im Mund zusam­men­ge­lau­fen“.
Aus mei­nem Kochtopf

App der Woche

Bad Pig­gies Egg Reci­pes: Angry Birds ist eines der popu­lärs­ten Spiele für Handy und Tablets. Weni­ger bekannt sind hin­ge­gen die Eier­re­zepte der Angry-Birds-Gegenspieler, der Bad Pig­gies. Sie sind nun als iPad-App erschie­nen (2,69 Euro), und trotz der unge­wöhn­li­chen Optik und Rezept­na­men („Kill the cook“, „Survivor’s Choice“) lobt Nicki von Guten APPe­tit die App vor allem wegen der Schritt-für-Schritt-Kochanleitungen.
Guten APPe­tit

Blog der Woche

Chili und Cia­batta: Im Jahre 2004 heißt der Kanz­ler Ger­hard Schrö­der, der Papst Johan­nes Paul II, und Grie­chen­land fei­ert Otto Reh­ha­gel und seine EM-Helden. Und noch etwas geschieht in die­sem Jahr: Petra hebt ihren Food­blog „Chili und Cia­batta“ aus der Taufe — als eines der ers­ten deutsch­spra­chi­gen Food­blogs über­haupt. Bis heute stellt sie dort ihre Rezepte vor. Warum? Das erklärt Petra im Inter­view mit der Schmau­s­epost.
Schmau­s­epost (Por­trät & Inter­view)Chili und Ciabatta

Rezepte der Woche

The Sici­lian Bur­ger: Ver­gesst McDonald’s und Co.: Uwe hat auf sei­nem Blog High Foo­da­lity die Burger-Wochen ein­ge­läu­tet. Nach Gau­cho Bur­ger, Brioche-Burgerbrötchen und Reu­ben Bur­ger folgt nun der Sici­lian Bur­ger — mit Moz­za­rella, Oli­ven­soße und im Pinienkern-Patty.
High Foo­da­lity

Aller­lei mit Rha­bar­ber (vege­ta­risch): Im Laufe der Sai­son wird Rha­bar­ber immer sau­rer — und offen­bar auch immer belieb­ter bei Food­blog­gern. Allein in der ver­gan­ge­nen Woche gab’s in der Schmausepost-Leseliste Rha­bar­ber Chut­ney, R.-Ziweback-Ramequin mit Erd­bee­ren, R.sorbet, R.crumble und sogar ein herz­haf­tes R.curry.
bush­cooks kit­chen (Rha­bar­ber Chut­ney)lamia­cu­cina (Rhabarber-Ramequin)You are hungry (Rha­bar­ber­sor­bet)Bar­ba­ras Spiel­wiese (Rha­bar­ber­crum­ble)Vollwert-Blog (Rha­bar­ber­curry)

Nach­schlag

Wurst-Dilemma Was tun Vege­ta­rier, deren Haus­tier der Flei­scheshun­ger über­kommt? Die­ser Frage ist ein US-Forscher nach­ge­gan­gen und hat fest­ge­stellt: Viele Vege­ta­rier lei­den unter Schuld­ge­füh­len, wenn Waldi an der Wurst knab­bert; man­che füh­len sich gar als Heuch­ler. Die Lösung naht in Form wei­te­rer Stu­dien: So gibt es wis­sen­schaft­li­che Hin­weise dar­auf, dass eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung von Hund und Katze mög­lich ist.
FAZ

Blog der Woche: Chili und Ciabatta

Chili und Ciabatta

Ein Urge­stein der deut­schen Food­blo­go­sphäre: Chili und Ciabatta

Petra Holz­ap­fel ist die Mut­ter der deut­schen Food­blo­go­sphäre — und das in dop­pel­ter Hin­sicht. Denn zum einen ist sie Vor­bild gewe­sen für ihre Toch­ter Kathi, die seit 2006 das Food­blog Koch­frosch betreibt. Und zum ande­ren dürfte Petra noch zig wei­tere Essens­lieb­ha­ber dazu ermun­tert haben, ihre Rezepte über das Inter­net zu tei­len. Denn ihr Blog Chili & Cia­batta war eines der ers­ten deutsch­spra­chi­gen Food­blogs über­haupt. Der erste Ein­trag im April 2004 lautete:

Durch Zufall bin ich letzte Woche auf einen wirk­lich inter­es­san­ten Food-Blog gesto­ßen - Il Forno. Von da aus dann immer mehr Blogs gele­sen und immer mehr und neue Anre­gun­gen erhal­ten, fas­zi­nie­rend. Nun pro­bier ich das selbst auch mal :-)

Als ers­tes Rezept folgte kurz dar­auf eine scharf-saure Gemüse-Nudelsuppe — und doch waren diese anfäng­li­chen Geh­ver­su­che weder Petras erste Erfah­run­gen in Sachen Kochen noch in Sachen Inter­net. Denn bereits im Jahr 1996 las die Nie­der­baye­rin in einem Buch über die Exis­tenz von News­grup­pen, und bald stand für sie fest: „Ein Modem musste her.“ Mit ihm erkun­dete sie die Wei­ten der digi­ta­len Welt, nahm an Dis­kus­si­ons­run­den teil und tauschte Rezepte aus, denn Kochen und Essen sind seit jeher Petras große Lei­den­schaft. „Alles, was mit gutem Essen und Trin­ken zu tun hat, fas­zi­niert mich“, sagt sie im Inter­view mit der Schmau­s­epost. „Kochen, Backen, das Stö­bern in Koch­bü­chern, die Küchen­kul­tur frem­der Län­der, fei­nes Essen in net­ter Gesell­schaft, gute Restaurants.“

Zwi­schen 1997 und 2004 stellt Petra für den Gar­ten­bau­ver­ein ihrer Hei­mat­ge­meinde Gei­ers­thal jeden Monat ein neues Menü zusam­men — noch heute kann man diese beein­dru­ckende Rezep­te­samm­lung in ihrem Archiv durch­stö­bern. Ab 2004 ver­la­gert Petra ihre Küchen­ex­pe­ri­mente dann auf das Blog Chili und Cia­batta. „Der Name des Blogs ver­rät zwei mei­ner Vor­lie­ben: schar­fes Essen und gutes Brot“, ver­rät sie und betont: „Das gesamte Brot im Hause Chili und Cia­batta kommt aus dem eige­nen Backofen.“

Dar­über hin­aus pro­biert sich die stu­dierte Lebens­mit­tel­che­mi­ke­rin an Rezep­ten aus aller Her­ren Län­der, wobei die pas­sen­den Zuta­ten in der nie­der­baye­ri­schen Pro­vinz nicht immer ganz ein­fach zu fin­den seien, sagt Petra, die auf zwei Dinge beson­de­ren Wert legt: „Wich­tig ist mir, dass die Rezepte im Blog gelingsi­cher sind und aus­führ­lich beschrie­ben werden.“

Und so will Petra auch noch die kom­men­den Jahre flei­ßig wei­ter blog­gen — ganz im Gegen­satz zu ihrer Inspi­ra­ti­ons­quelle. Denn jener Food­blog Il Forno, der sie damals zu Chili und Cia­batta inspi­riert hat, bewies deut­lich weni­ger Durch­hal­te­ver­mö­gen: Der letzte Ein­trag der Seite stammt vom 8. Okto­ber 2006.

INTERVIEW: 5 Fra­gen an… Petra von Chili und Ciabatta

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in deinem Blog?

Petra: Ein Lieb­lings­ge­richt aus dem Blog kann ich beim bes­ten Wil­len nicht benen­nen — das schwankt je nach Jah­res­zeit, Lust und Laune.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in deinem Leben?

Petra: Essen hat schon immer eine wich­tige Rolle in mei­nem Leben gespielt. Meine Eltern haben gerne gut geges­sen, schon als Kin­der haben wir auch so Exo­ti­sches wie Schne­cken oder See­spinne vor­ge­setzt bekom­men. Die Liebe zu Nah­rungs­mit­teln hat mich übri­gens auch bei der Berufs­wahl beein­flusst: Ich habe Lebens­mit­tel­che­mie studiert.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Petra: Ich würde mich freuen, wenn die Leute beim Ein­kauf wie­der auf qua­li­ta­tiv gute Grund­nah­rungs­mit­tel set­zen und die gan­zen Fer­tig– und Halb­fer­tig­pro­dukte links lie­gen las­sen. Fürs Kochen und Essen sollte man sich Zeit neh­men, es mit allen Sin­nen genießen.

4. Was war die schönste Erfah­rung mit deinem Blog?

Petra: Ich freue mich über jeden Kom­men­tar, beson­ders natür­lich über Erfolgs­mel­dun­gen zu nach­ge­koch­ten Gerich­ten. Kürz­lich hat mir eine Blog­le­se­rin als Dank ein lie­be­voll zusam­men­ge­stell­tes Paket mit lau­ter beson­de­ren Zuta­ten geschickt, das war natür­lich eine ganz beson­dere Beloh­nung! Dar­un­ter waren auch korea­ni­sche Zuta­ten, was gleich Anlass gab, etwas Korea­ni­sches zu kochen.  Beson­ders nett finde ich aber auch, dass ich durchs Blog­gen eine ganze Reihe Leute per­sön­lich ken­nen­ler­nen durfte, dar­aus sind echte Freund­schaf­ten entstanden.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Petra: Inzwi­schen ist die Anzahl der Food­blogs fast unüber­schau­bar groß gewor­den, um hier auf dem Lau­fen­den sein, müsste man den gan­zen Tag lesend am PC ver­brin­gen. Ein Blick in die Food­blog­liste unter Köst­lich und Kon­sor­ten lohnt sich aber immer!

Her­aus­grei­fen möchte ich den­noch zwei Blogs:

Mehr über Petra und ihren Food­blog steht bei Chili & Cia­batta.