Schlagwort-Archiv: The Stepford Husband

Schmausepost vom 31. Mai

Schman­kerl der Woche

Leben oder Nicht-Leben? Wie ergeht es einem Schwein in Deutsch­land, bevor es zur Wurst wird? Die­ser Frage geht Jan Gross­arth für die FAZ nach und beglei­tet die Tiere „20 sorg­lose Wochen vor der Schlach­tung“. Ein Bericht über Kas­tra­tion und Kupie­ren, Plastik-Mütter, Fut­ter­kur­ven, Todes­rampe und die Frage: Ist das ein Leben?
FAZ


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Kuli­na­ri­sche Lesung: Patrik Stäbler ist drei Monate lang per Anhal­ter durch Deutsch­land gereist und hat sich auf die Suche gemacht nach lan­des­ty­pi­schen, regio­na­len Gerich­ten. Über seine kuli­na­ri­schen und kul­tu­rel­len Erleb­nisse hat der Jour­na­list ein Buch geschrie­ben: „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“. Nun lädt er am Sonn­tag, 2. Juni, zur öffent­li­chen Pre­mie­ren­le­sung nach Mün­chen ein. (Dis­clai­mer: Patrik Stäbler ist Her­aus­ge­ber der Schmau­s­epost)
Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten (Lesung)Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten (Buch)


Zahl der Woche

5,4 Liter Schnaps läuft pro Jahr durch die Kehle des Otto-Normal-Trinkers. Am belieb­tes­ten sind klare Schnäpse, die fast 40 Pro­zent des Absat­zes aus­ma­chen. Dahin­ter fol­gen Liköre (28%) sowie Wein­brände und Cognac (12%). Die Trink­freu­dig­keit der Deut­schen freut vor allem den Staat: Er nimmt 2,1 Mil­li­ar­den Euro Brannt­wein­steuer ein.
Han­dels­blattn-tv

Nach­rich­ten

Wet­ten dass?! Die Volks– und Raiff­ei­sen­ban­ken haben ange­kün­digt, nicht mehr auf die Preis­ent­wick­lung von Nah­rungs­mit­teln zu wet­ten. Die Deut­sche Bank hin­ge­gen will wei­ter spe­ku­lie­ren — und ern­tet dafür Kri­tik von Food­watch. Der­weil geht der Streit um die Fol­gen sol­cher Wet­ten unter Ökono­men wei­ter: So nimmt Hei­ner Flass­beck den Gast­bei­trag von Ingo Pies aus­ein­an­der.
Han­dels­blattSpiegel-Onlinedetektor.fm (Audio)Food­watchSZ (Pies)Flass­beck

Nur eine Blase: Eine Zeit­lang sah man sie über­all: Jugend­li­che, die bunte Getränke aus Bechern mit dau­men­di­cken Stroh­hal­men schlür­fen. Bub­ble Tea war das Trend-Getränk der Fuß­gän­ger­zone — und ist genauso schnell wie­der in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. Jetzt erhe­ben die Anbie­ter schwere Vor­würfe: Haben übereif­rige For­scher die Bran­che rui­niert?
Zeit

Belas­te­tes Pack: Der gesunde Snack für die Mit­tags­pause — mit die­sem Image wer­ben die Her­stel­ler von abge­pack­ten Sala­ten. Doch nun warnt die Stif­tung Waren­test: Fast in jeder zwei­ten Tüte tum­meln sich gefähr­li­che Keime.
Süd­deut­scheSternFocustest.de

Obst für die Tonne: Mehr als jeder zehnte Apfel, der in Deutsch­land geern­tet wird, lan­det umge­hend im Müll — ins­ge­samt 98.000 Ton­nen pro Jahr. Grund hier­für sind das Wet­ter sowie Trans­port und Lage­rung. Auch bei ande­ren Nah­rungs­mit­teln wan­dert ein statt­li­cher Teil der Ernte direkt in die Tonne.
FAZFocusFood­watch unter Beschuss: Der Streit um die Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­tion Food­watch geht wei­ter: Deren Abstim­mung zum Gol­de­nen Wind­beu­tel kri­ti­siert Udo Poll­mer als Aktion für Heuch­ler und Nörg­ler. Foodwatch-Gründer Thilo Bode hält im Welt-Interview dage­gen: „Diese Kri­tik muss die Indus­trie aus­hal­ten kön­nen“.
DRa­dio (Poll­mer)Welt (Bode-Interview)Tel­ler­rand­blog (Kommentar)

Lese­ge­schich­ten

Gewis­sens­bisse: Fleisch­lose Küche ist so beliebt wie nie. Doch wenn Vege­ta­rier oder Vega­ner eine Koch­aus­bil­dung antre­ten, gibt ein Pro­blem: Zwangs­läu­fig kom­men sie mit tie­ri­schen Pro­duk­ten in Kon­takt, denn auf dem Lehr­plan ste­hen unter ande­rem zwölf Wochen Fleisch und Inne­reien oder vier Wochen Käse, Quark und Eier.
FAZ

Säbel­meis­ter: Spa­nien ist Schin­ken­land: Die Cor­ta­do­res de Jamon, also die Schin­ken­schnei­der, genie­ßen dort eine ähnlich hohe Aner­ken­nung wie Ster­ne­kö­che. Ihr Ziel: den edlen Jamon Ibe­rico in hauch­dün­nen Schei­ben absä­beln. Autor Karl Hofer hat für die NZZ einem der renom­mier­tes­ten Schin­ken­schnei­der einen Besuch abge­stat­tet.
NZZ

Dau­er­bren­ner: Seit 71 Jah­ren steht Rosa Ober­hol­zer im Schwei­zer Gast­haus Kan­tons­grenze hin­ter dem Herd. Neben Reh­rü­cken oder selbst geräu­cher­tem Speck ser­viert die rüs­tige Köchin ihren Gäs­ten auch die eine oder andere Anek­dote. Das Migros Maga­zin hat die 94-Jährige besucht, die betont: „Ich ver­ar­beite nur fri­sche, qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Zuta­ten“.
Migros Maga­zin

Geschmacks­ver­ir­rung: Glut­amat genießt bei Gour­mets unge­fähr so einen guten Ruf wie Sil­vio Ber­lus­coni unter Femi­nis­tin­nen. Doch was genau ver­birgt sich hin­ter dem Geschmacks­ver­stär­ker? Und ist er wirk­lich so gefähr­lich? BR-Autorin Julia Rich­ter hat sich das Glut­amat vor­ge­nom­men — und erklärt, wie man einen Bogen darum machen kann.
BR

Blog­schau

Ret­tet das Brot! Zwölf „Bäcke­reien“ kann Ste­van von Nut­ri­Cu­li­nary fuß­läu­fig errei­chen — doch die Gän­se­füß­chen setzt er nicht ohne Grund. Denn dort gibt es nur die „immer­glei­chen freud­lo­sen Back­mi­schun­gen“ der Filia­lis­ten, die viele echte Bäcke­reien ver­drängt haben. Nun pro­pa­giert Ste­van drei Brot-Rettungsmaßnahmen.
Nut­ri­Cu­li­nary

Nennt es Gelato! Einen Tag lang Eis­prin­zes­sin: Die­sen Traum erfüllt sich Anja von Tra­vel on Toast in Bolo­gna. Dort besucht sie die Gelato Uni­ver­sity und lernt in einem Kurz­se­mi­nar die Geheim­nisse des Gelato ken­nen — jenes ita­lie­ni­sche Spei­se­eis, das man kei­nes­falls mit schnö­der Eis­creme ver­wech­seln dürfe.
Tra­vel on Toast

Ver­stoßt die Karotte! Eine ein­zige Zutat treibt Jörn Kabisch die Zor­nes­röte ins Gesicht — oder genauer gesagt: die Zor­nes­or­ange. Denn die Rede ist von der Karotte, der „gescher­ten Ruab’n“. Mit ihr kann der blog­gende Koch ein­fach nichts anfan­gen. „Ich schiebe mir davon eine Gabel in den Mund und  schme­cke nichts ande­res als süße, süße, süße Karot­ten­schnit­zel“.
tabldoot.de

Kauft das Rich­tige! Sai­so­na­les Kochen liegt im Trend — doch sai­so­nal Ein­kau­fen will gelernt sein. Als Hil­fe­stel­lung ver­schickt Uwe von High Foo­da­lity ein­mal im Monat einen sai­so­na­len News­let­ter. Darin erklärt er nicht nur, wel­che Obst– und Gemü­se­sor­ten gerade geern­tet wer­den, son­dern lie­fert auch die pas­sen­den Rezepte dazu.
High Foo­da­lity

Buch der Woche

Europa kocht: Die tür­ki­sche Küche hat mehr zu bie­ten als Döner und Lah­ma­cun — und in Ita­lien kommt nicht jeden Tag Pasta und Pizza auf den Tisch: Den Beweis hier­für lie­fern zwei Kochbuch-Klassiker, die der Blog Asian Food Fusion in den höchs­ten Tönen lobt: „Pis­mek — Kochen auf Tür­kisch“ und „Die klas­si­sche ita­lie­ni­sche Küche“ von Mar­cella Hazan.
Asian Food Fusion (Tür­kei)Asian Food Fusion (Italien)

App der Woche

Rezepte satt: Zwei emp­feh­lens­werte Koch-Apps, die die­ser Tage ein Update erfah­ren haben, legt Jana von Guten APPe­tit ihren Lesern ans Herz. Zum einen „Dr. Oet­ker Rezep­tideen“ — mit mehr als 1000 Koch-, Back– und Des­sert­re­zep­ten. Zum ande­ren die App der Chefkoch-Community, mit der man gar in 220.000 User-Rezepten stö­bern kann. Das Beste daran: Beide Apps sind kos­ten­los.
Guten APPe­tit

Blog der Woche

The Ste­pford Hus­band: Als Stepford-Frau wird im Eng­li­schen eine per­fekte, immer gut gelaunte Haus­frau bezeich­net. Der Begriff ent­stammt dem Buch „The Ste­pford Wives“, das mehr­fach ver­filmt wurde. Doch wieso hat Kevin Ilse sei­nen Food­blog auf den Namen The Ste­pford Hus­band getauft? Und wel­che Gerichte kom­men dort vor die Linse? Die Schmau­s­epost stellt den Blog des Öster­rei­chers vor — inklu­sive Inter­view.
Schmau­s­epost (Por­trät & Inter­view)The Ste­pford Husband

Rezepte der Woche

Kari­bi­sches Jerk-Chicken: Anna von „Packt’s an“ beginnt ihren Arti­kel mit ein paar Wit­zen auf Kos­ten von Arjen Rob­ben — denn sie schreibt den Text par­al­lel zum Champions-League-Finale. Diese Scherze gehen frei­lich nach hin­ten los, als der Hol­län­der am Ende das ent­schei­dende Tor erzielt. Kein Rein­fall ist hin­ge­gen Annas Rezept für Jerk-Chicken — kari­bi­sche Hähn­chen­schen­kel in einer fruchtig-würzigen Mari­nade.
Anna packt’s an

Rote-Bete-Gratin mit Schafs­käse (vege­ta­risch): Rote Bete hat der­zeit Sai­son — doch was soll man damit anstel­len? Andrea von Ein­fach Guad lie­fert einen Vor­schlag, mit dem man sogar man­chen Rote-Bete-Hasser ködern könnte: ein Rote-Bete-Gratin mit Schafs­käse und Minze. Nur ein Pro­blem gibt es bei dem Gericht: das Foto…
Ein­fach Guad

Nach­schlag

Fast Food In einem Wies­ba­de­ner Café gibt es All-you-can-drink-Kaffee und All-you-can-eat-Kekse. Klingt ver­lo­ckend — doch die Sache hat einen Haken: Im Slow Time bezahlt der Gast nicht für Bestel­lun­gen, son­dern für die dort ver­brachte Zeit. Das Kon­zept soll in Russ­land der Ren­ner sein — setzt es sich jetzt auch in Deutsch­land durch? Die Schmau­s­epost hofft instän­dig: nicht!
Spiegel-Online

Blog der Woche: The Stepford Husband

Stepford

Kevin sagt über sei­nen Blog: „Die Gerichte schauen nach viel aus, sind aber ein­fach zuzubereiten.“

Der Name lässt viel Raum für Spe­ku­la­tio­nen: The Ste­pford Hus­band hat Kevin Ilse sei­nen Food­blog getauft — offen­bar nach dem Best­sel­ler Die Frauen von Ste­pford (The Ste­pford Wives), der 1972 von Ira Levin geschrie­ben und zuletzt 2004 mit Nicole Kid­man ver­filmt wurde. Kurz gesagt, geht es darin um eine Gruppe von benach­bar­ten Män­nern, die ihren Frauen Mikro­chips ins Gehirn ein­ge­pflanzt haben, sodass diese als will­fäh­rige Haus­frauen klag­los ihren Dienst in Heim und Küche tun. Der Begriff Stepford-Frau hat sich seit­dem im eng­li­schen Sprach­raum laut Wiki­pe­dia zum Syn­onym für die per­fekte, immer gut gelaunte Haus­frau entwickelt.

Food­blog­ger Kevin Ilse bezeich­net sich indes als Ste­pford Hus­band, also als Stepford-Mann. Weil seine Gerichte immer immer so per­fekt wie die Roboter-Frauen und beson­ders auf­wän­dig sind? Wohl eher nicht, wie er in einem Inter­view selbst sagt: „Meine Art zu kochen ist boden­stän­dig und ein­fach. Jeder soll meine Rezept nach­ko­chen kön­nen. Denn Essen soll zwar auch schön aus­se­hen, aber in ers­ter Linie ein­fach schme­cken und nicht vier Tage Vor­be­rei­tung brau­chen.“ Viel­mehr habe er im Jahr 2011 schlicht nach einem Namen für sei­nen Blog gesucht, der lus­tig ist — und da lan­dete er bei The Ste­pford Hus­band.

Dort fin­det man seit­dem jene Krea­tio­nen, die der Ober­ös­ter­rei­cher in sei­ner hei­mi­schen Küche kre­iert: boden­stän­dig, aber gewitzt; ein­fach, aber ohne Fer­tig­pro­dukte — und stets in einem unterhaltsam-augenzwinkernden Duk­tus und mit hoch­wer­ti­gen Fotos präsentiert. „Viele Men­schen set­zen bei Autos, Klei­dung und Urlau­ben auf Qua­li­tät und inves­tie­ren dabei viel Geld“, sagt Kevin, der im Beruf Mode­re­dak­teur bei einem öster­rei­chi­schen Maga­zin ist. „Geht es aber ums Essen, stop­fen sie billigst-produziertes Zeug in sich hin­ein. Dabei sollte man gerade hier auf Qua­li­tät achten.“

Die Band­breite der Gerichte auf The Ste­pford Hus­band ist dabei ganz und gar nicht ein­tö­nig à la Stepford-Frau: Von Süß­spei­sen (Polen­ta­schmar­ren) springt Kevin zu Sup­pen (Cre­mige Schwam­merl­suppe mit Sco­nes); Haus­manns­kost (Speck­knö­deln von Oma) steht neben Vege­ta­ri­schem (Spi­natsa­lat mit war­men Bir­nen); und von Fast Food (Kraut­fle­ckerln) geht es zu Tar­tes und Quiches (Erbsen-Tarte mit Minze). Oder wie es die Jury eines Food-Blog-Awards for­mu­liert hat:

Der Ste­pford Hus­band kocht mit einer Locker­heit Klei­nes und Gro­ßes, Süßes und Sau­res, Cle­ve­res und Schlaues, wie aus dem Ärmel geschüt­telt. Beim Lesen sei­nes Blogs fühlt man sich selbst wie ein Gast in sei­ner Küche.

INTERVIEW: 5 Fra­gen an… — Kevin von The Ste­pford Husband

1. Was ist dein per­sön­li­ches Lieb­lings­ge­richt in dei­nem Blog?

Kevin: Ganz ehr­lich? Eigent­lich immer genau das Neu­este! Da habe ich noch den Geschmack auf der Zunge und die Bil­der im Kopf.

2. Wel­che Rolle spielt Essen in dei­nem Leben?

Kevin: Mir war gutes Essen und auch das Zube­rei­ten von Essen immer schon sehr wich­tig. Denn ich bin nicht nur ein Genuss­mensch, son­dern für mich ist Essen auch eine Spra­che, die jeder ver­steht. Eine leckere Mahl­zeit bringt Men­schen an einen Tisch und bringt sie zum Reden und Schwär­men. Ich finde es gibt fast nichts Bes­se­res als ein paar Stun­den mit net­ten Men­schen ein lecke­res Essen zu genie­ßen und sich ange­regt zu unterhalten.

3. Wor­auf soll­ten mehr Men­schen beim Essen achten?

Kevin: Ich finde, gerade Fami­lien soll­ten das Essen wie­der mehr zum Ritual machen. Mit offe­nen Augen ein­kau­fen gehen, gemein­sam — gerade mit Kin­dern — kochen und zusam­men an einem Tisch essen. Und dabei auch immer wie­der gemein­sam Neues ausprobieren

4. Was war die schönste Erfah­rung mit dei­nem Blog?

Kevin: Mich freut es immer, wenn Leser auf mich zukom­men und mir erzäh­len, dass sie etwas nach­ge­kocht haben und es ihnen geschmeckt hat oder sie auch etwas abge­än­dert haben.

5. Wel­che drei Web­sei­ten zum Thema Essen kannst du empfehlen?

Kevin: Ich bin selbst eigent­lich ein recht schlech­ter Foodblog-Leser, wenn ich mal ehr­lich sein darf. Des­halb habe ich keine fixe Liste an Blogs, die ich ver­folge. Im Moment lese ich aber immer mal wie­der gern in diese rein:

  • mimithorisson.com — Ihre wun­der­schö­nen Bil­der erzäh­len von einer Lan­d­idylle von der ich immer träume.
  • www.whatkatieate.com — Von der erfolg­rei­chen US-Bloggerin habe ich mir vor kur­zem das Koch­buch gekauft und erkunde auch immer noch gerne ihren Blog. Tolle Bil­der, tolle Rezepte!
  • complimenttothechef.com — Leckere Rezepte, schöne Bilder, sympathische Blog­ge­rin. Mehr kann man sich von einem Food­blog nicht wünschen.

Mehr über Kevin und sei­nen Food­blog steht auf www.thestepfordhusband.blogspot.de.